SO WHAT?
TANZ DER VIREN II
Sie hat unruhig geschlafen. Als Martin sich – mag es drei oder vier gewesen sein – aus dem Bett schälte, hat sie sie sich still gestellt. Er machte seine Sachen, die Tür klappte zu, er war draußen.
Wittrig ist ihr Schlaf gewesen. Durchfurcht von Gedanken an die Kinder, ans Kochen, an den nicht mehr gemochten Mann, an die Sorge.
Sie war nicht frohgemut, das wirklich nicht.
Irene Stäbler überließ sich dann schließlich doch dem Schlaf.
Draußen, im Land, in der Stadt, wurde es hell. In den Kinderzimmern regte sich Leben.
Die Wohnungstür ging.
Irene Stäbler stand auf. Sie sah sich im Spiegel und fand sich nicht gut. Sie mochte ihren roten Schlafanzug nicht – aber wer würde ihr einen neuen schenken? Ihr ging ein Lied von Aznavour durch den Kopf, da hat er gesungen “Du lässt Dich geh’n”.
Sie drückte die Wohnzimmertür auf.
Martin, ihr Mann steht im Flur.
Ungesund, vom Sport rot und blass im Gesicht.
Kein toller Typ – aber der, den sie sich ausgedingst hat.
Ausgesucht?
Ausgewählt?
Auserkoren – bis der Tod sie scheiden würde.
Ach, Blödsinn.
Der Typ war nun mal da. Die Kinder mussten sie durchbringen. Irgendwann würden sie geimpft.
Und dann?
Alles wie vorher?
© BILDKUNST JOHANNES TAUBERT
