WEG DAMIT!
21. februar —— winter 16/17, Folge 44
Florida, im Februar 2017
Die Casalesis unterhalten sich prächtig. Woher der Präsident seine Kondition nähme, fragt Casalesi senior in die Runde. Seine Schwiegertochter linst hinüber – drei Tische weiter sitzt Donald und ist prächtig gelaunt. Er trägt ein blaues Sakko und dazu eine rote Krawatte, die ein bisschen gewagt gewählt ist.
Gebräunt ist er, aber die Schwiegertochter sagt, das ist nicht echt.
„Wie denn auch“, ärgert sich Casalesi senior. „Der Mann arbeitet wie ein Tier.
Er nimmt es mit der Presse auf, er fegt die Islamis aus dem Land, er kümmert sich um die guten Geschäfte fürs Land. Tag und Nacht kümmert er sich.
Und am Freitag steigt er in seine Maschine und tut sich den Flug von einer Küste an die andere an. Weil er in seinem „Weißen Haus des Südens“ sein will. Im Mar-a-Lago ist er unter Freunden, das muss ja auch mal sein.
Die Schwiegertochter kann sich nicht verkneifen, dass sie gelesen hätte, so ein präsidentieller Wochenendtrip koste den Steuerzahler 3,6 Millionen Dollar.
„Na und“, bekommt sie zu hören. „Soll er sich kasteien? Ich gönne ihm sein Wochenende. Das alles hat er sich schließlich auch selbst aufgebaut.“
118 Zimmer, ein wenig spartanisch eingerichtet. Restaurants und Lobbys, golden und prunkvoll. Ein Golfplatz, ein Traum in Grün. Tennisplätze, auf denen schon die Besten der Welt trainiert haben.
Hat er sich alles selbst ran geschafft, der Mister T. Also, lass‘ es ihn genießen, Schätzchen.
„Ja sicher, und er sieht in der Tat gut aus. Hat wohl geschlafen auf seinem Flug.“
Donald T., drei Tische weiter, ist fertig mit den Pommes und dem Steak. Er trinkt noch einen Schluck Cola, stemmt sich wuchtig vom Tisch ab.
„Steve, auf ein Wort!“
Steve nickt, nimmt sein Glas, sie queren den Raum. Der Präsident lässt sich Zeit, beugt sich zu den Gästen hinunter und wechselt ein paar Sätze. Er ist ein charmanter Unterhalter, wenn genug geredet ist, tätschelt er dem Anderen die Schulter und geht dann weiter. Steve folgt dem Präsidenten und verzieht keine Miene. Einmal dreht er sich zu einem dritten Mann um, raunt ihm etwas zu. Der Typ nickt.
Wer sich im Mar-a-Lago auskennt, weiß, wer dieser Mensch ist. Er ist der Experte, der den Code für die Atomwaffen im Kopf hat. Immer in der Nähe des Präsidenten. Sagt nie ein Wort. Trägt maßgeschneiderte Hemden, aber man registriert es nicht. Man bemerkt diesen Mann nicht. Er lacht nicht und sieht nicht verdrossen aus. Schwitzt nicht und riecht nach nix. Hat ihn schon mal jemand was essen gesehen?
Eigentlich nicht.
Man nennt ihn „Rick“. Ob er Familie hat? Wir können es uns nicht vorstellen. Ob er etwas mag, was er nicht mag?
Ist nicht von Belang. „Rick“ hat einfach da zu sein.
Nah beim Präsidenten.
Das Trio passiert den Tisch der Casalesis.
„Ah, Giancarlo“, entfährt es dem Präsidenten. „Wie geht‘s, mein Freund? Alles gut bei Euch in New York?“
Casalesi steht auf, greift die Hand des Präsidenten, drückt mit der Linken dessen Unterarm. Ja, alles sei bestens, er sei froh, Donald so gut in Form zu sehen. Der Präsident solle sich nicht irre machen lassen. Er könne auf seine Wähler zählen.
Mister T. sieht sehr zufrieden aus. „Giancarlo, mach‘ Dir keine Sorgen. Uns geht es bestens im Weißen Haus. Alles im Griff.“
Er verlässt, seine zwei Begleiter folgen dichtauf, den Saal.
Sie nehmen den Lift. Vorbei an den Sicherheitsleuten vor dem Büro. Rick schließt die Tür.
Man setzt sich in die Besucherecke. „Steve“, sagt der Präsident, „da ist eine Kleinigkeit, die wir klären sollten.“
Steve wartet.
„Es gibt einen Text von meinem Bruder. Der liegt bei mir im Tresor. Ich möchte nicht, dass der unter die Leute kommt.“
Wo das Problem sei? Man werde das Papier schreddern, und gut wäre es.
„Geht nicht. Fred hat eine Kopie beim Anwalt hinterlegt. Und die Arschlöcher von der New York Times sind dran.“
Was denn in dem Papier stände? Sei das denn so schlimm?
„Es geht um unsere Kindheit. Ich weiß nicht, ich mag das Zeug, was er da geschrieben hat, nicht. Er war einfach ein versoffenes Arschloch, das auf Schriftsteller gemacht hat.“
Donald, das ist mehr als 30 Jahre her.“
„Mehr als 35 Jahre, Steve. 1981 haben wir ihn begraben. Aber es ist einfach Scheiße, dass er da Sachen aufgeschrieben hat, die nicht unter die Leute gehören.“
„Donald, gib‘ mir den Text. Ich lese ihn und sage Dir morgen, was wir machen.“
Donald guckt rüber zu Rick. Der steht auf, öffnet den Tresor. Er zieht einen dünnen Stapel Papier aus einem Fach, bringt es an den Tisch. Steve nimmt es. Er grinst seinen Präsidenten an:
„Klasse. Dann habe ich ja einen Vorwand. Muss morgen lesen. Du brauchst mich nicht auf dem Golfplatz, stimmt’s.“
„Wirklich nicht. Ich weiß gar nicht, wie Du es wagen kannst.?
„Was?“, fragt der Berater.
„Dass Du das, was Du mit dem Schläger machst, Golf nennst. Das ist Barbarei. Bleib auf dem Zimmer und lies den Scheiß von meinem Bruder.“
Morgen: Steve liest
