IM FALSCHEN FILM
berlin, 9. februar 2015
Gestatten: “Sputnik” aus Schöneberg. In Spanien zur Welt gekommen, aber nun bereits im fünften Jahr Wahl-Berliner. “Sputnik” kommt ganz schön rum in der Stadt. Am Wochenende verschlug es ihn an den Potsdamer Platz, wo die Menschen derzeit in besonders großen Rudeln auftreten. “Sputnik” und die “Berlinale” – das ist ein Schnupperkurs der besonderen Art.
Nee, das ist kein Ausflug nach seinem Gusto. “Sputnik” lässt die Ohren hängen, zerrt ungeduldig an der Leine, will weiter, will an die Luft und zu den Bäumen.
Aber nein. Die Fährte führt über einen Mittelstreifen mit vielen in den Boden eingelassenen Sternen. Die Menschen beugen sich über die Symbole, studieren die Schrift und bekommen stolze Ja-da-weiß-ich-was-Gesichter. “Sputnik” schnüffelt an einem Stern, der einem Wim Wenders gehört, und ihm stinkt es.

Weiter. Ab ins Freie. Hin zu Bäumen und Büschen!
Aber nix da. Die Leine zieht den Hund zu einem Wald von Menschen-Beinen. “Sputnik” kommt nicht mehr weiter, ergeben setzt er sich vor einer Kameratasche auf den kalten Teer und schaltet auf ,Standby’.
Auch die Zweibeiner ringsum warten geduldig. “Gleich kommt er”, sagt ein Berliner zu seiner Freundin.
“Wer kommt eigentlich?”, fragt sie zurück.
Der Begleiter stiert auf den Roten Teppich, an seiner Statt gibt ein Kameramann Auskunft. “Gleich kommen Christian Bayle und Natalie Portman.”
(Anmerkung für Nicht-Hunde: Bale spielt in dem Drama “Knight of Cups” einen Bewohner Hollywoods, dessen Sucht nach Erfolg ihn nicht vor der Leere in seinem Leben bewahren kann. In seinen inneren Monolog und die Frage nach dem Sinn seines Daseins mischen sich auch immer wieder Erinnerungen an die Frauen, die seinen Lebensweg kreuzten.)
Klirrkalte scharfe Windstöße jagen durch die Häuserschlucht. “Sputnik” beginnt zu zittern. Dann, endlich, raunen die Menschen. Über den Roten Teppich tänzeln zwei Alpha-Tiere und zeigen ihre Zähne.
Der Kameramann riecht jetzt nach Arbeitsschweiß, überall blitzt es aus den Kameras.

Die Alpha-Menschen verschwinden fröhlich, die vielen Menschen setzen sich in Bewegung. “Sputnik” hört auf zu zittern und legt sich ins Zeug. Er zieht und zieht und zieht. Er weiß ja, was er will. Vorbei an der Werbung mit den “Grey”-Nackerten, vorbei am Coffeeshop, rüber in die Gasse, in der die verführischen Anhänger abgestellt sind.
Dort nämlich wird die “Berlinale” tierisch interessant. Dort wabern die Gerüche von Gegrilltem und Gesottenem. Dort stehen Menschen und spießen mit kleinen Gäbelchen Futter von Pappgeschirr.
Weil es echt frostig ist, zittern die Menschen beim Essen ein wenig. Ein kluger Hund ahnt sowas. So schnürt “Sputnik” an den Ständen vorbei, ganz Nase ist er.
Und dann passiert es, dann wird es doch noch ein herrlicher Ausflug.
Einer der Menschen verliert was.
In Zeitlupe sehen wir das weißliche Teil zu Boden fallen. Es prallt auf den Asphalt, wippt ein Zentimerchen zurück, fällt wieder runter, bleibt liegen. Rund, ein wenig dampfend, köstlich nach Menschenfutter riechend.
“Sputnik” schnappt zu. Das kann er.
Schlupp! Ab in den Rachen. Nicht schlucken. Hau weg, das Zeug!
Übung geglückt. “Sputnik” leckt sich die Lefzen, die Zunge fährt bis zu den Augen.
Hach, herrlich!
Das war ein Spätzle. Das hat der Kosslick bestellt. Das ist teuflisch gut. Klasse gewählt, Kosslick, klasse! Ein Hund bist Du schon!

