AUSEINANDERLEBEN
TANZ DER VIREN
29. Juli
GESCHLOSSENE IV
Zigarettenpäuschen. Im Radio redet einer vom Koch-Institut davon, dass die Zahlen ein bisschen alarmierend seien – und dass es den Menschen draußen an Disziplin und Gefahrenbewusstsein gebreche. Franz nimmt das Gespräch über Josefs Arretierung wieder auf.
FRANZ Wieso bin ich der Arsch, wenn ich sage, wie es ist. Ist doch immer das Gleiche. Meine Alte ist mir auch auf den Zeiger gegangen, weil ich mich selber nicht mehr leiden konnte. Dann hab‘ ich gesoffen – und warum? Wegen allem, nur nicht wegen mir.
JOSEF Kann schon sein, ist wahrscheinlich auch so bei mir gewesen. Ich habe ja auch nicht gemerkt, dass ich Probleme mit dem Alkohol gekriegt habe. Bei den Feiern im Betrieb habe ich mich immer zurück gehalten, da hat mich nie jemand betrunken gesehen. Die haben keine Ahnung gehabt.
FRANZ Das glaubst aber auch nur Du.
JOSEF Naja, gesoffen habe ich zuhause. Bin runter in meinen Keller und habe was gebastelt. Dazu der Whisky. Bin gar nicht mehr nach oben ins Schlafzimmer. Morgens bin ich aus dem Haus, bevor die Anderen aufgewacht sind, und habe den Job gemacht.
FRANZ Was hat der Herr Manager gebastelt?
JOSEF Ich sammle Messer. Und ich baue selber welche. So wie die Japaner. Das beruhigt.
LINA Und Deine Frau?
JOSEF Der war ich egal. Sie hat den Tennisverein, da gibt es auch einen Lehrer, dem ich viele Stunden bezahlt habe.
FRANZ Fremd gegangen?
JOSEF Ja. War kein Geheimnis. Und der Tennis-Fuzzi war nicht der Einzige. War mir einerlei. Ich wollte nur meine Ruhe.
JEREMY Dann war doch alles soweit in Ordnung, wenn man so sagen kann.
