HINSCHMEISSEN
TANZ DER VIREN
30. Juli
GESCHLOSSENE V
Lina wiegt sich im Rhythmus von DJ Ötzi, der im Radio dran ist. „Wer alles eng sieht, / Der schaut am Leben vorbei. / Die Sonn’ im Herz erfriert. / Ich hab’s längst kapiert“. „So ein Schmarrn“, brummt der Franz.
JOSEF (der immer noch über seine Einweisung redet) Ja, hätte so weiter gehen können. Aber ich wollte nicht mehr so weiter machen. Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich mich scheiden lassen will. Ich habe gekündigt, von einem Tag zum nächsten. Die Kollegen waren echt überrascht. Ich bin heim gekommen und habe gesagt, dass es das war. Meine Frau fragt, wie ich mir das vorstelle. Woher das Geld kommen soll? Das wächst nicht auf den Bäumen, hat sie gesagt. Ich habe gesagt, dass ich das schon weiß. Aber es ist nun mal so, dass kein Geld mehr wachsen wird. Wir werden das fair regeln. Wenn sie will, kann sie das Haus behalten und die Autos und den ganzen Kram. Den Rest vom Geld teilen wir – und gut soll es sein.
LINA Und?
JOSEF Komplett ausgeflippt ist sie. Zuerst hat sie geschrien und getobt. Ich bin richtig erschrocken. Und das war erst der Anfang. Das Nächste war, dass sie mit Sachen nach mir geschmissen hat.
LINA Was haben denn Deine Kinder gesagt?
JOSEF Es war ein Freitag, die Kinder waren unterwegs. Also, meine Frau schmeißt mit Sachen und nennt mich einen Schlappschwanz und Versager und Säufer – naja, was ihr eben so eingefallen ist. Ich habe gar nichts gesagt, bin in den Keller und habe die Tür zugemacht. Habe die Musik aufgedreht, mich volllaufen lassen und einen japanischen Dolch geschliffen.
FRANZ Was hast?
JOSEF Hab‘ es ja schon erzählt. Ich habe eine Sammlung von Messern und Schwertern. Edle Teile, ich habe sie meistens von den Geschäftsreisen mitgebracht. Meine Frau hasst die Dinger, sind wirklich sehr teuer und sehen gefährlich aus. Die Frau hat mal gemeint, ob ich mich nicht wegen der Wafen untersuchen lassen will, das hat ja schon etwas Pathologisches. Als ob ich ein Triebtäter wär‘.
JEREMY Und? Biste?
JOSEF Quatsch. Ich mag keinen Streit, habe noch nie gerauft. Ich mag die Messer, weil sie perfekt sind. Es ist eine Kunst, wie die verarbeitet worden sind. Das fasziniert mich. Und wenn ich mich aufrege, beruhigt es mich, sie zu polieren und zu schleifen. Das ist wie eine Meditation.
