ZWEITE HAUT
scheisszeitenwende 152
Lieber Hans,
habe Maria aus München getroffen. Du weißt: Maria – wir haben eine Zeitlang im selben Büro gesessen, ist lange her.
„Was machst Du hier in Berlin?“
„Ich wollte mich mal umsehen. Leute besuchen und so ein bisschen Urlaub machen.“
„Du wohnst doch in München?“
„Ja.“
Ein Schluck. Nachdenken. Maria setzte sich gerade hin.
„Und jetzt fahre ich zurück. Bald.“
Wir sind uns am Stuttgarter Platz begegnet. Maria saß vor einem Café und hielt sich an einem Weißwein fest. Ich gab ihr ein Getränk aus. Sie wurde daraufhin etwas lebhafter. Sah aber immer noch scheiße aus. Die macht es nicht mehr lange.
„Weißt Du, München geht mir so ab. Die Stadt, alles. Meine Wohnung. Das ist wie eine zweite Haut.“
„Ja, dann musst Du heim. Wann fährst Du?“
„Weiß nicht. Da brauche ich eine Fahrkarte. Fliegen tue ich nicht mehr.“
„Wo wohnst Du denn in München?“
„Innenstadt. Aber ich glaube, das ist schon weiter vermietet.“
„Wie bitte?“
„War mal meine Wohnung. Ja, so war das.“
„Achso. Entschuldige.“
Herzlich
