IRINA
scheisszeitenwende 138
Hans wandert durch Dahlem.
Hier hat er mal gewohnt. Was heißt, gewohnt? Residiert hat er hier. Er und die Nachbarschaft – das war was Besseres.
Alles ist, als sei die Zeit stehen geblieben. Scheinbar kein Leben hinter den blickdichten Hecken. Kameras in den Einfahrten schauen Dir frech ins Gesicht. Fußgänger und Hund auf dem Baumstreifen zwischen den Fahrbahnen ziehen die Schwänze ein. An einem Konsulat stehen zwei bepanzerte Fahrzeuge mit gut bewaffneter Mannschaft.
Das nächste Haus linkerhand war mal seins – jetzt steht ein großes L auf dem goldenen Klingelschild.
Hm.
Im nächsten Haus lebt noch immer Irina. Die ist damals zugezogen. Er räumte sein Haus, sie zog in die Villa nebenan ein.
Eine rassige Frau. Schwarzhaarig. Aufgewachsen in Kiew. Nach Potsdam zu einem reichen Deutschen gezogen. Den reichen Deutschen hat sie mit ihren Macken verrückt gemacht, er hat sich frei gekauft.
Das Gartentor schwingt auf. Ein schwarzer Tesla rollt auf die Straße. Am Steuer Irina. Sie erkennt Hans, lässt das Seitenfenster nach unten schnurren.
Gurrt.
Sieht verlockend aus.
Sie ist eine ewige Sirene.
„Musst Du in die Stadt? Komm Hans, ich nehme Dich mit. Wir können uns sicher viel erzählen. Warte, ich mache das Verdeck runter.“
Stunden später wirft er am Schlachtensee eine Postkarte an sich selbst in den Briefkasten.
Na sowas!
Die Irina!
Jetzt muss er sie aber ganz schnell vergessen. Sonst verbrennt er sich.
Irina hat sich allem zum Trotz einen schwarzen Tesla zugelegt. Jetzt stehen im Carport der Tesla, ein Porsche und ein BMW für die Fahrten zum Bäcker. Ihre ukrainischen Frauen lässt Irina in kleinen Elektro-Autos zu den Patienten düsen und passt auf, dass die Mädels kein persönliches Verhältnis zu den Alten haben. Irina hat es geschafft. Sie bescheißt das System und ist damit reich geworden. Die Zeit meint es gut mit ihr.
