GLOTZER, GAFFER
scheisszeitenwende 136
Mit der S-Bahn fährt er nach Nikolassee und eine Station stadteinwärts zum Schlachtensee. Dort geht er aber nicht ans Wasser, sondern lässt sich treiben. Er landet in Zehlendorf an einer Freifläche, wo sie gerade einen Rummel aufbauen.
Vor einem luxuriösen Campingwagen sitzt einer und trinkt Bier. Krohn fragt, ob es erlaubt sei.
„Klar, setz Dir. Willste auch eins?“
Danke, nein.
„Trinkst wohl kein‘ Alkohol?!
„Doch. Zuviel. Deswegen: zur Zeit nicht.“
„Achso. Verstehe. Wie heißte?“
„Hans.“
„Bist nich von Berlin, oder?“
„Nein. Bayern.“
„Und was machste hier? Urlaub?“
„Sowas in der Art.“
„Wie? Was is dit denn: Sowas in der Art?“
„So eine Art Urlaub von mir selbst.“
„Dolle Sache! Dolle Sache!“
Sie unterhalten sich. Der Andere redet. Er heißt Dino – seine Eltern haben ihn auf „Alexander“ taufen lassen, aber er hat sich später „Dino“ in die Papiere schreiben lassen. Passt besser.
Wo er doch seit 25 Jahren mit seinem „Dino-Park“ über Land zieht. Er ist stolz auf sein Geschäft, er ist ein Schausteller vom alten Geblüt. Und so einer nennt sich doch lieber „Dino“ als „Alexander“.
Seit zwei Jahren geht es ihm nicht so gut. Die Frau ist gestorben – umgefallen wie ein morscher Baum, war nichts mehr zu machen.
Seitdem sind er und sein „Park“ allein.
Eigentlich gibt es nicht viel zu erzählen. Alles ist ziemlich elend und aussichtslos.
Drei Flaschen Bier lang erzählt Dino.
Bis er feuchte Augen hat.
Dann sagt er.
„Du musst weiter, Hans. Man sieht sich.“
Er reibt sich das Gesicht.
„Und ich muss noch den Strom machen.“
Hans setzt sich ins nächste Café und schreibt eine Karte nach Bayern.
Der nächste Sommer in Zehlendorf. Dino prüft die städtischen Dokumente. Alles da. Er hat Strom, Wasser, die Gebühren sind bezahlt. Nun macht er die wilden Tiere flott. Bunt. Grell. Schreiend. Comeback nach 65 Millionen Jahren. „Kommen Sie! Schauen Sie! Staunen Sie!“ Es ist wie bei seinem Opa. Der führte Neger vor und Damen ohne Unterleib. Der Vater ließ die Rummelboxer los. Jetzt die Saurier in der Computer-Zeit. Die Leute mögen’s. Es geht immer ums
GAFFEN.
