AXEL WAR HIER
berlin, 7. februar 2015
Kurz vor zehn Uhr abends hat Axel Milberg genug von der “Blue Hour”. Über eine Stunde hat er der ARD-Party im Kommunikationsmuseum die Ehre gegeben, jetzt zieht es ihn ins “Ritz” – die Fete dort soll auch nicht ohne sein. Er macht sich also auf den Weg – da gerät der Mime in einen Berlinale-Live-Shortcut, der so gar nicht nach seinem Gusto ist.
Zwei Glas Weißwein hat’s gedauert, bis Milberg an seinem Stehtisch den ehrfürchtigen Umstehenden erklärt hatte, warum sein letzter Auftritt als knittriger “Tatort”-Kommissar (“Borowski und der Himmel über Kiel”) ein tolltolles Stück TV-Unterhaltung war und warum ihm die Miesmacher von den Medien am verlängerten Rücken vorbei gehen.

Jetzt hat Milberg alles erzählt, was zu erzählen ist.
“Ich zieh‘ dann mal weiter”, sagt er. Dreht schwungvoll auf dem Absatz und setzt den ersten forschen Schritt in Richtung Ausgang.
Es ist alles ein bisschen eng bei der “Blue Hour”. Und so begibt es sich, dass der strebende Herr Milberg abrupt bremsen muss. Denn er eilt geradewegs in den Rücken einer blonden Dame.
Milberg also stoppt, nichtsdestotrotz touchiert seine bemerkenswerte Nase fast das trapezförmige Rückendekolleté der Schönen. Die freie Schulterpartie sieht recht appetitlich aus. Und sie scheint verführerisch zu duften. Milbergs Nase wittert.
Dann besinnt sich der Schauspieler, der vor einem Jahr mit dem “Champagne-Preis für Lebensfreude” ausgezeichnet worden ist. Er zieht die Nase zurück und umrundet die Unbekannte.
Baut sich vor ihr auf – nun kann man sich in die Augen sehen. Nun wird man Lebensfreude austauschen, und sie darf ihn bewundern.
Die Dame quiekt – übrigens ist auch das Dekolleté an der Vorderfront sehenswert – ein klein wenig. Sie freut sich, denn sie erkennt den Knitter-Kommissar.

Milberg seinerseits ist so amüsiert nicht.
Das ist doch die Maren Gilzer!
Die “Dschungel”-Königin!
Die mit den tolltollen Quoten!
Die stiehlt ihm doch glatt die Show.
Säuerlich sein Lächeln, kurz der Smalltalk, mürrisch der Abgang.
Maren sieht ihm nach und hat ihn schon vergessen.
Blöd gelaufen für Herrn Milberg. Das war jetzt mal kein Premium-Auftritt.
Also, schnell raus in die rauschende Stadt. Irgendwo dort wird er doch wohl den nächsten Applaus exklusiv für sich haben.

