GIFTIGER GESELLE
15. Februar, berlin, sturmwarnung ——- winter 16/17, Folge 37
Wir verlassen Lindow und Petersburg für einen Tag – und begleiten Steve Collins ins Aquarium von Manchester. Der Besucher kriegte sich gar nicht mehr ein über einen eigensinnigen Gesellen, der durchs Salzwasser dümpelte. Collins fotografierte, und schon bald surft der Autist von Manchester im Netz.
Ein Langhornkofferfisch ist’s, die Amis nennen ihn longhorn cowfish. Eigentlich ist gängige Expertenmeinung:
Hände weg!
Wikipedia bleibt objektiv:
“Die Kofferfische (Ostraciidae) sind eine Familie kantig aussehender Fische aus der Ordnung der Kugelfischverwandten… Zusätzlich zum Panzer schützen sich die Fische durch Pahutoxin, früher Ostracitoxin genannt, einem Nervengift, das im Stress, bei Gefahr oder beim Tod der Tiere abgesondert wird. Im begrenzten Raum von Aquarien werden alle Fische, auch die Kofferfische selbst, bei Freisetzung dieses Giftes getötet.“
Gianna-Carina Grün widmete sich 2012 in prophetischer Abhandlung dem Phänomen auf zeit-online:
“Der Strömungswiderstand eines Körpers wird als C w -Wert angegeben. Mit einem C w von 0,06 ist der Kofferfisch deutlich aerodynamischer als das Bionic-Car mit 0,19 oder der Porsche, der mit 0,30 weit abgeschlagen ist. Die Erfolgsformel lautet: kleiner C w -Wert = wenig Widerstand = geringer Verbrauch.
Bei solch einer Erfolgsgeschichte bleiben Neider und Feinde nicht aus, doch der Kofferfisch ist dafür gewappnet: Neid prallt einfach an seinem Panzer ab.
In einem Aquarium kann ein Kofferfisch mit seinem Gift ein regelrechtes Massensterben auslösen. Denn wird ein Kofferfisch angegriffen, sondert er schlagartig einige Spritzer davon ab. Das Gift lähmt die Muskeln der Angreifer.“
Auf aquariumforum.de erinnert sich Jenny schaudernd an solch ein heimtückisches Attentat:
„Einen so verspielten, handzahmen Fisch hatte ich noch nie. Nach fünf Jahren war er rund zwölf Zentimeter groß – und steht jetzt ausgestopft auf meinem Aquarium. Leider hatte ich beim Wasserwechsel nicht aufgepasst, und er war vom Schlauch angesaugt worden. Er muss dabei verletzt worden sein. Am nächsten Tag war er tot – und mit ihm alle kleineren Fische.“
Also, liebe Freunde des friedlichen Miteinanders:
Hände weg vom Kofferfisch!
Morgen sind wir wieder in West Virginia und der Mark Brandenburg
