ZUSAMMENTUN
TANZ DER VIREN
19. Juni
Matthias Krupa in der „Zeit“: “In der Corona-Krise hat die Erfahrung besonders geschmerzt, wie abhängig Europa geworden ist. Schutzmasken, Schutzkleidung, Antibiotika, Penicillin – vieles, was medizinisch gebraucht wird, wird heute in Asien, vor allem in China produziert. Das gilt auch für andere Technologien. In einem Interview hat Angela Merkeln unlängst auf die Frage, was es bedeutet, wenn die EU nun geopolitisch agiere, geantwortet: Europa müsse in der Lage sein, seine eigenen Batteriezellen und Chips herzustellen. Auch dies sei eine Frage der Souveränität.
Es könnte sich erweisen, dass die Corona-Krise die EU eher zusammenführt als spaltet. Das Virus lässt sich kaum ideologisieren, das ist ein wesentlicher Unterschied etwa zum Streit über den Umgan mit Flüchtlingen und Migration. Die wirtschaftliche Erholung liegt im Interesse aller Mitgliedstaaten. Auch bestreitet niemand mehr, dass man sich auf künftige Pandemien durch gemeinsame Forschung und die Bevorratung von medizinischem Gerät besser vorbereiten kann. Und der zuletzt viel gescholtene Multilateralismus Europas erscheint angesichts einer Pandemie, die keine Grenzen kennt, durchaus wieder attraktiv.”
