WÜTEN
TANZ DER VIREN
2. August
Ein Sonntag.
In Berlin haben gestern 17000 Menschen gegen die Coronaregeln demonstriert. Sie haben gegen Masken und Merkel gewütet. In Ihrem Zorn haben sie Kameraleute bespuckt. Dabei sind sie Arm in Arm mit den Nazis der Neuzeit durch die Stadt gezogen. Übrigens haben sich die Gegen-Demonstranten nicht besser verhalten. Wie tollwütig schienen die Menschen. Sie kennen sich nicht mehr.
Am Unterschleissheimer See haben sie derweil dicht gedrängt gelegen und unter der Hitze gestöhnt. Sie haben Flaschen und Luft zum Atmen geteilt. Nur keine Umstände wegen der Abstände. Am Nachmittag zog schwarzes Wetter auf. Am Abend gab es ein Gewitter, das alle in die Flucht geschlagen hat.
Heute, am Sonntag, liegen die bei der Flucht vergessenen Eimerchen und Handtücher und Badebälle auf der Wiese. Es regnet und wird nicht hell, das ist kein Sonntag für Urlaubsgefühle.
Der Ministerpräsident sorgt sich unterdessen. „Wir müssen wirklich aufpassen – und dürfen nicht riskieren, dass wir sogar noch schneller als befürchtet, vor dem Herbst, eine zweite Welle bekommen, eine schleichende Welle. In der vergangenen Woche ist unglaublich viel passiert. Nun müssen wir handeln und entscheiden. Bayern ist ein Vorreiter in Deutschland.”
À propos Urlaubsgefühle – da versichert Söder, der Retter: „Ich gönn’ allen ihre Ferien. Aber auch da müssen wir aufpassen. Corona bleibt tödlich.“
