TRAUMHAUS III
berlin, 18. februar 2016
Woran liegt’s, Herr Stolte?
Der Theologe antwortet in großer Entspanntheit. „Wir haben viel lernen müssen in den letzten Jahren. Zum Beispiel, dass wir mit dem reinen Spendensammeln nicht zum Ziel kommen.“
Im Augenblick haben die „House-of-One“-Missionare Ziegelstehen rund rund 1,1 Millionen Euro an fast 2000 Menschen in 40 Ländern verkauft. Ist das viel – oder doch enttäuschend?
„Wunderbar ist das. Und uns wurde schnell klar, dass wir uns geschäftlich noch anders aufstellen müssen. Es laufen sehr viel versprechende Gespräche mit Sponsoren und Mäzenen, der Senat steht voll hinter uns. Wir kommen voran.“
Stolte, ein eloquenter Gesprächspartner, der weiß, wovon er redet, macht eine kleine Pause. Dann sagt er:
„Wissen Sie, wir peilen jetzt als Baubeginn Ende 2018 an. Und wir sind nicht unfroh über diesen Aufschub. Es gibt noch so vieles zu tun.“
Da sind die Vorbereitungen. Die Statiker müssen noch einmal ran und in den Sand unterm Platz bohren, die Künstler für die einzelnen Räume reißen sich um die Aufträge…
„Aber eine Aufgabe, die wir so nicht auf der Agenda hatten, ist die Beschäftigung mit den Social Media.“
Das „House of One“ steht schon im virtuellen Raum. Im vergangenen Raum stellte Al Jazeera einen kurzen Film ins Netz – der wurde in kurzer Zeit fünf Millionen Mal angeklickt und mit 2000 Einträgen kommentiert. Nun macht sich eine neu gegründete Social-Media-Abteilung des „Vereins Bet- und Lehrhaus“ daran, die Daten auszuwerten, neue Bewegungen im Netz zu planen, Anfragen zu beantworten.
Da kommt eine Flut auf die „Hous-of-One“-Macher zu. Vor kurzem suchte eine Pfarrerin aus Mühlhausen Rat: Man habe in der Gemeinde 800 Flüchtlinge. Wie solle man die unter ein Dach bringen? Wie könne man eine friedliche Kommunikation herstellen? Wie funktioniere ein Haus, in dem das geschehen könne?
Sie werden in Zukunft viele solche Anfragen haben, das wissen sie in Berlin. Das Projekt spricht sich rasend schnell herum.
Anfang Februar hatte Stolte eine Klasse des Bochumer Lessing-Gymnasiums zu Gast. Die jungen Leute hatten sich wegen eines Projekts über „Nathan der Weise“ und vor allem die „Ringparabel“ in Berlin angefragt, ob sie sich der „House-of-One“-Entwürfe bedienen durften.
Das Projekt gelang dann auch trefflich – und als Belohnung gab’s einen Ausflug an die Spree. Dort nahmen die Schüler die Modelle in die Hand und waren gleichermaßen nachdenklich und beglückt.
Das würde schon wachsen, dieses geile House auf dem Petriplatz. Und vielleicht wäre es der exemplarische Ort, an dem sich die Menschen echt cool zusammenraufen lernen.
