TRAUMHAUS II
berlin, 17. februar 2016
Die Jüdische Gemeinde in Berlin war schnell überzeugt. Der Dialog mit den Islamisten kam nach zähem Beginn erst in Gang, als die „Hous-of-One“-Initiatoren das Forum für Interkulturellen Dialog (FID) auftaten, das allerdings nur eine Minderheit der türkischen Muslime vertritt. Der Verein gehört zur Bewegung des türkischen Predigers Fethullah Gülen, der von den USA aus ein weltweit wachsendes Netzwerk von Schulen und Universitäten unterhält und von Premierminister Erdogan gerade zum Hauptfeind der Türkei erklärt wurde. Gülen wirbt für den Dialog mit anderen Religionen und für die Versöhnung von Religion und Moderne. Das kommt vor allem bei jungen Männern und Frauen an, die gesellschaftlich aufsteigen wollen. Die meisten Mitglieder des FID haben einen Hochschulabschluss.
Vertreter der drei Religionen hatten sich gefunden, die Idee ist überzeugend. 2012 wird der Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben:
„Es geht um ein gegenseitiges ‚redliches Kennenlernen’, das Differenzen nicht überspielt, um neue Formen der Gemeinschaft in vielen möglichen Facetten, aber auch um ein Forum des Erinnerns an den Umgang der Religionen miteinander in der Geschichte dieser Stadt und des Landes. Träger des Projekts sind die Jüdische Gemeinde Berlin, das Forum für Interkulturellen Dialog, die Evangelische Kirchengemeinde St. Petri – St. Marien und das Land Berlin den Verein „Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin e.V.“.
Roland Stolte, kaufmännischer Geschäftsführer und theologischer Referent der Sankt-Petri-Gemeinde Berlin, erinnert sich an die spannenden Erfahrungen. 220 Bewerber aus der ganzen Welt, 40 Büros in der engeren Wahl – und der Sieger kommt aus Berlin. Es sind die jungen Städtebauer von Kühn Malvezzi, die mit ihrem Entwurf am meisten überzeugen.
Drei Bet-Räume in einem Haus – das ist schließlich eine Herausforderung. Moschee und Synagoge müssen nach Osten ausgerichtet sein. Muslime benötigen einen quadratischen Raum, damit möglichst viele Schulter an Schulter beten können. Die Juden brauchen Platz auf dem Dach, für die Hütte beim Laubhüttenfest. Nach außen soll sich das Gebäude nicht wie einer der vielen anderen Kirchen der Stadt präsentieren…
Nun steht er also seit zwei Jahren, der Entwurf. Millionen Mal ist er schon im Internet angeklickt und auf Apps geladen worden. Die Unterstützer werden mehr und mehr.
Und trotzdem wird noch nicht gebaut.
Morgen: Warum?
