NICHT MIT MIR
TANZ DER VIREN II
München, Feilitzschstraße, draußen stürmt es, es ist ein verlorener Samstag, im Radio sagt ein Reporter, Bayern hat das erste Tor gegen Bremen geschossen. Bald wird es wohl regnen.
Ferdl spürt den Zorn in sich hochkrabbeln, er kann nichts dagegen machen.
Er hatte sich vorgenommen, die Zeitung in aller Ruhe zu lesen. Er wollte sich nicht aufregen, bringt ja doch nichts, diese Journalisten-Deppen haben eh keine Ahnung, das weiß man, da regt man sich nicht auf, wenn sie ihre Dummheiten verzapfen.
Aber jetzt sitzt er am Küchentisch – und vor lauter Wut hat er das zweite Bier aufgemacht.
Dabei muss er nachher noch aus dem Haus, er sollte ein bisschen langsam tun mit dem Alkohol.
Jaja, das Saufen hat wieder angefangen.
Und wenn schon.
Es sind harte Zeiten für den Ferdl – da kann man schon mal die Kontrolle verlieren.
Er hat sich an der Leopold aus einem „stummen Verkäufer“ die tz besorgt. Hatte wohl gehofft, dass die ihm nicht so arg viel Verdruss machen würden. Ist eine bayerische Zeitung, königstreu und heimatverbunden.
Dann macht er sich an die Lektüre und muss sich nur ärgern.
Mit dieser tz können Sie was erleben – 50 Tipps gegen die Corona-Langeweile
Was? Langeweile? Dem Ferdl ist nicht fad, der Ferdl weiß, was die Stunde geschlagen hat. Er sieht den Tsunami der Geschichte auf die Welt zurasen. Der große Untergang wird kommen. Für die meisten jedenfalls. Nicht für ihn, den Ferdl. Er wappnet sich, er macht sich bereit für den großen Kampf. Soll nur kommen die Katastrophe, dann kann sie was erleben.
CDU vor Wahldesaster – Grüne und SPD steuern auf Siege bei den Landtagswahlen zu
Ja, merken denn die Leut‘ nicht, wie die Systeme neu geordnet werden? Sozis und Grüne, das sind doch nur die Marionetten der kalten Enteigner. Die Leut‘ schauen zu, wie sich die Gesellschaft selbst abschießt. Kälber, dumme Kälber, ja das sind die Menschen.
Das Chaos ums Impfen
Jaja, klarklar. So haben der Gates und die Leute um ihn rum das gewollt. Sie warten doch nur drauf, uns die Spritzen mit den Mikrochips unterzujubeln. Dann haben sie uns endgültig in der Hand. Aber nicht mit ihm, nicht mit dem Ferdl, neinnein.
Mein Mann, der Pater. Ex-Mönch Bilgri heiratet seinen Mann – OB als Standesbeamter
Ja, geht‘s noch? Ein Priester wird zum Schwulen-Star. Heiraten darf er auch noch. Zwei Mannsbilder am Standesamt. Ein Bürgermeister, der sich traut zu sagen, „es ist nach elfjährigem Anlauf und reiflicher Prüfung nicht überhastet und nicht übereilt, sondern reiflich überlegt“. Ferdl kriegt sich gar nicht mehr ein. Wenn schon Corona, dann soll es diese Bagage bekommen.
Löw-Nachfolge – Flick eiert rum
Wer will denn heute noch Bundestrainer bei den Fußballern werden? Nicht mal der Job ist noch was wert.
Ferdl zerknüllt die Zeitung und schmeißt sie in den Müll. Er blickt sich in der Wohnung um.
Alles sauber. So, wie er es gern hat, vor allem am Wochenende. Mit der Ordnung nimmt es Ferdl genau. Das war schon früher so. Aber jetzt muss man eben noch mehr aufpassen. Draußen ist schon alles vergiftet.
Sie sind überall, da draußen.
Er weiß das, er spürt das, er kennt sich aus.
Sie wollen rein in seine Wohnung und in sein Hirn.
Nicht mit ihm. Nicht mit ihm.
© BILDKUNST JOHANNES TAUBERT
