MASKE!
TANZ DER VIREN II
Stopp! kommandiert Hans sich selbst. Er ist tief in Erinnerungen an die Erzählungen der Martha Wimberger ins Tal marschiert, quert die Trasse eines Schlepplifts, sieht mitfühlend die Bügel an den Seilen baumeln (den ganzen Winter haben sie keinen Skifahrer den Berg hoch transportieren dürfen); aus dem Kocheler Moos tutet die Eisenbahn, Hans ist gerührt, weil die „Lok“ so jammert, wie das auch die Oberland-Züge im letzten Jahrhundert getan haben. Es hört sich an wie die gute alte Zeit, denkt der Hans, stellt das Erinnern an Marthas Erzählungen hintan und konzentriert sich aufs Einkaufen.
Nach links wendet er sich, Zwei Kilometer, dann erreicht er Kochel, linkerhand ist der Edeka. Hans passiert zwei Menschen, die sehr unfreundlich wirken, passiert die automatische Tür und wird von einem Mitarbeiter des Markts aufgehalten. Der Mensch stellt sich einfach in den Weg und knurrt:
„Maske!“
Kein Bitte, kein Danke. Nur:
„Maske!“
Menschen an der Kasse sehen vorwurfsvoll herüber. Also, Hans nimmt zumindest an, sie gucken vorwurfsvoll, so genau weiß man das nicht, weil ja jeder eine Maske unter den Augen hat.
„Entschuldigung.“
Hans henkelt das Ding an den Ohrwascheln ein. Mit dem Wagen arbeitet er sich durch den Markt.
Nudeln. Reis. Äpfel. Tomaten in der Dose. Gurke, Kohlrabi, Paprika. Tee. Kaffee. Red Bull und Cola Light. Schokolade, holla, es gibt schon Ostereier, die mit Nougat-Marzipan sind lecker. Käse. Papiertaschentücher, Spülmittel, Zahnpaste, Rasierklingen.
Gut ist es.
Bei den Zeitungen bleibt Hans stehen. Er denkt nach, entscheidet sich dann für den „Spiegel“. Der soll reichen.
Hans zahlt und verpackt die Einkäufe im Rucksack.
Im Ort holt er beim Bäcker ein Brot, Brezen und einen großen Kaffee auf den Weg. Er geht zehn Minuten weiter, kommt zum Parkplatz des Franz-Marc-Museums, biegt in den Park ab und setzt sich auf eine freie Bank.
Nachmittagssonne. Der Kaffee ist heiß, die Brezn sind noch knusprig. Den „Geist“ von Franz Marc kann man spüren, wenn man denn will.
Hans schlägt den „Spiegel“ auf. Ihn giert es nach Lesen. Er hat Zeit, er wird das Magazin von vorne bis hinten durchlesen.
Der Kaffee steigt zu Kopf, jedenfalls bildet sich Hans das ein.
Ihm ist ganz kannibalisch wohl, als wie fünfhundert Säuen.
© BILDKUNST JOHANNES TAUBERT
