MAMA IST DA
24. februar —- winter 16/17, Folge 45
New York, 1980
Es war nicht selbstverständlich, von der Mutter umarmt zu werden. Ist ja nicht so, dass ich das nicht versucht hätte. Ich mochte es, wenn Mutter mich berührte. Und ich habe mir Mühe gegeben, dass Situationen dafür entstanden.
Da war ich erfinderisch.
Ich spürte, dass sie eine liebevolle Frau darstellen wollte, wenn jemand zu Besuch war. Mary, die sorgende Mom. Mary, die immerfreundliche Hausfrau, die alles im Griff hatte. Mary, die gute Gattin, die dem Mann den Rücken frei hält.
Eine große Rolle.
Mutter mochte ihren Part.
Ich hatte meine Chancen, wenn Gäste im Haus waren. Ich ließ mich in ihre Nähe treiben – und es hat nicht lang gedauert, bis mir Mutter über den Kopf strich und den Besuchern erklärte, welche Freude der Vater und sie an den Kindern hätten.
Mit Bildern konnte man auch ganz gut punkten. Mutter mochte es, wenn ich Tiere malte. Familienbilder – der große Dad, die schöne Mom, die Geschwister und ich – kamen nicht so gut an. Aber Tiere gingen immer. Affen oder Raubkatzen aus dem Zoo. Unsere Hunde, wir hatten immer Hunde, so kleine Fellbündel, die sogar auf die Möbel in der Bibliothek oder im großen Wohnraum durften. Wenn die Hunde alt wurden, schafften sie es nicht mehr in die Auffahrt. Dann pissten sie nicht mehr in die Rabatten sondern auf die dicken Teppiche.
Machte nichts. Die Köter durften das.
Die Hunde nahm Mutter auch mit ins Bett. Störte niemanden, sie schlief ja allein.
Ihr Schlafzimmer durfte ich nicht betreten, da war Mutter eigen. Habe mich lange dran gehalten. Bis mir die ersten Haare an den Hoden wuchsen. Dann habe ich die Wäscheschränke von Mom entdeckt.
Ich musste nur warten, bis ich allein im ersten Stock war. Die Eltern hatten das Haus verlassen, weil sie zu einer Party eingeladen waren. Schwester Maryan hatte ihr Zimmer im Erdgeschoss. Von Jane, dem Mädchen, war nichts zu hören.
Ich bin dann in Mutters Zimmer gehuscht und habe an ihrer Unterwäsche gerochen. Die Hüfthalter mochte ich besonders. Mit denen habe ich mich gerieben, bis es gut war. Die Büstenheber waren auch okay.
Aber, wie gesagt, da war ich schon älter. Als der Krieg zu Ende ging, interessierten mich solche Sachen nicht. Ich wollte, dass Mutter mich bemerkte, dass sie mir die Hand auf die Schulter legte, mich etwas fragte, über mich redete. Ich wollte für Mutter präsent sein.
Deswegen habe ich die Monate, als wir den Krieg in Europa gewannen, sehr genossen. Plötzlich war Mutter für uns Kinder da. Summend und trällernd fegte sie durchs Haus. Witschte in mein Kinderzimmer, baute sich vor mir auf und gurrte:
„Fred, Dir geht es doch gut, oder? Dir muss es gut gehen.“
Mutter hob mich hoch und knuddelte an mir herum. Dann setzte sie mich auf den Boden und war wieder weg.
Das war schön.
Morgen: Hausbau und so Sachen
