LOLAS LIEBLING
TANZ DER VIREN II
Wie ich auf den Herrn Markus gekommen bin?
Freunde, das ist eine lange Geschichte.
Ich mach’s kurz.
Wir lassen die Anfänge mal weg, das führt zu weit.
Ein Kalfatermann bin ich gewesen, das war 1600 und ein paar Zerdrückte. Wir fuhren auf großer Route, ich hatte es gemütlich beim Käptn.
Dann kriegten wir die Pest an Bord. Nicht so schlimm, dachte ich mir, ich kann mich nicht anstecken. Habe grinsend zugeschaut, wie sie einen Toten nach dem anderen über die Planke geschubst haben.
Dann hat der Käptn einen Fehler gemacht. Es war in der Nacht vor der irischen Küste, und ich schwör bei meinen Klabauter-Vorfahren, dass ich mit der Geschichte nichts zu schaffen habe.
Der Käptn war in den Tagen zuvor dauernd am Schwitzen gewesen, aus der Nase hat er auch geblutet, wahrscheinlich hat er nicht mehr klar denken können.
Auf jeden Fall hat er den Kahn auf den Strand gesetzt. Passiert ist es in einer kleinen Bucht. Als wir in die Wellen gerieten, war es zu spät. Schiffbruch am Streedagh Point, am Ende der Welt. Die Mannschaft ist ersoffen oder verreckt, weil die Leute von der Küste nichts mit den Männern zu tun haben wollten.
Ich habe mich durchgewurschtelt nach Grange und dort bei wechselnden Menschen 200 Jahre tot geschlagen. War nicht viel los. Bei einem Pillenmacher war ich, bei einem Pfaffen, einem Gastwirt und einem Kleinhäusler. Dann kam ich zu Mister Edward Gilbert, einem englischen Offizier. Der war schon ganz unterhaltsam – aber mein Glück war, als seine Tochter zur Welt kam. 1821 war das, das Mädchen hat Elizabeth Rosanna geheißen.
Wir sind nach Kalkutta, dort ist der Vater von der Cholera weggerafft worden; ich habe mir gedacht, ich habe kein Glück mit den Krankheiten, dauernd sterben mir die Menschen weg. Wir sind zurück nach Schottland, ich bin erst einmal bei der Tochter geblieben.
Eigentlich habe ich es nicht so mit den Frauenzimmern, ich spuke lieber bei den Gentlemen. Aber Miss Gilbert hatte etwas Besonderes, sie war einmalig. Lernte bei den feinen Fräulein, ließ sich in der spanischen Sprache unterrichten und im Ausdruckstanz ausbilden.
Goddammit! dachte ich, jetzt habe ich einen Menschen gefunden, der meiner wert ist.
Ich habe ihr zuallererst einmal einen passenden Namen eingeflüstert.
Maria de los Dolores Porrys y Montez.
Lola Montez.
Wir sind nach Thüringen und nach Baden-Baden, nach Berlin und nach Paris gereist. Lola hat getanzt und die Kavaliere mit der Reitpeitsche geschlagen. Überall hat man uns verjagt, so landeten wir in München. Lola hat mit dem Monarchen poussiert und ist der Skandal des Jahrhunderts geworden.
Wieder hat man sie mit Schimpf aus der Stadt gejagt. Nach Amerika ist sie gereist.
Ich bin in Bayern geblieben. In München leben ja nicht nur biedere Menschen, Schreiner oder ähnliches Gelichter. In der Stadt wird gemütlich große Geschichte geschrieben. Davon bin ich ein Teil geworden.
© BILDKUNST JOHANNES TAUBERT
