GROSSE FLUCHTEN
berlin, 10. märz 2016
“Frieden ist des Menschen bester Schlaf.” So wird es überliefert in Somalia. Und so steht es geschrieben in dieser Woche auf einer sandfarben getünchten Sperreholzwand vor einem Schlafzimmer mit Kingsize-Bett. Die Besucher der Reisemesse 2016 in Berlin passieren das Luxus-Lager und machen sich keine Gedanken.
Friede? Somalia? Sonstwas?
Das bleibt draußen. In den Hallen der Messe Berlin versuchen sie zu verdrängen.
Lageso? Flüchtlinge? Regen im Asyl-Zeltlager? Demokratie im Messe-Gastland Malediven?
Nein. Darüber redet man hier nicht. Hier suchen die Verkäufer der kleinen und großen Fluchten nach neuen Superlativen. Sie wollen, dass der Mensch reist und reist und nochmal reist.
Reisemesse Berlin: über 170.000 Besucher, 11.000 Aussteller aus über 180 Ländern. Das große Hoffen, dass der “Tourismus in Zeiten des Terrors” (Berliner Zeitung von heute) das Jahr ohne Delle übersteht.
Die Farben sind bunt auf der Messe, die Menschen laut und geschäftig. Auf den ersten Blick sind alle guten Muts.
Doch da ist auch eine Bangigkeit, die keiner so recht eingestehen will. Sorgen haben die Türken und Ägypter, die Hoteliers von der Nordsee bis nach Kapstadt, die Billigflieger und die First-Class-Airlines.
“Es ist nicht wie früher”, sagt einer. “Ich glaube, das war mein letzter Auftritt hier auf der Messe. Wir müssen kleinere Brötchen backen.”
Reisen 2016 – Impressionen von einer unwirklich wirklichen Veranstaltung. Fotos: Barabara Volkmer.






