FJS UND ANDERE
TANZ DER VIREN II
So bin ich nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig in der Politik gelandet.
Das heißt: Eigentlich war ich ein immer ioculator politicus, ein spaßiger Strippenzieher. Der Lola habe ich den Monarchen unter den Rock gejubelt, und schon hatte sie in München die Hosen an. Mit den Theater-Diezens habe ich die Salons aufgemischt und bestimmt, was an der Oper aufgeführt wurde.
Der Oskar von Miller ist plötzlich mit meiner Idee daher gekommen, man muss ein Kraftwerk in Kochel bauen, das durch das Wasser vom 200 Meter höher gelegenen Walchensee betrieben wird – da haben sie ihn erst einmal ausgelacht – Herr von Miller, habe ich gesagt, das machen wir jetzt, das Kraftwerk, er hat sich den Bart gekrault, und am Ende ist es gebaut worden.
Mit dem Gauleiter Wagner hätte mir fast die ganze Welt gehört.
Und nun war ich der Berater von Thomas Wimmer. Angekommen sozusagen in der Demokratie. Wiederaufbau. Weg mit den Trümmern. Her mit den Millionen. FJS. Edmund Stoiber. Hanns Seidl. Alfons Goppel. Der Seehofer Horst. Der Beckstein Günther.
Alle haben sie mich gehabt.
Und jetzt der Herr Markus.
Manche waren wunderbar.
Alfons Goppel hat sich alles sagen lassen. Du hast nur aufpassen müssen, dass er auch etwas unternommen hat. Am liebsten war es dem nämlich, wenn nichts passierte. Seine Ruhe wollte er haben, dem Ärger ging er aus dem Weg.
Der Stoiber war willig, aber spröde ist er halt gewesen. Hat in seinen Steinkrügen Wasser gehabt und so getan, wie wenn er saufen täte. Dabei war er so nüchtern, dass es gestaubt hat. Und wehe, wenn er geredet hat. Eine Katastrophe.
Da war der Seehofer schon ein anderer Kerl. Daheim habe ich ihn mir vorgenommen, wenn er mit seiner Eisenbahn spielte. Herr Horst, habe ich gesagt, jetzt schimpfen wir einmal sauber auf die Ausländer, die brauchen es schon lang. Dann ist er hinaus gegangen und hat das Migranten-Gschwerl zur Sau gemacht. Ein Schau war das.
Der Liebste war mir natürlich der FJS. Mei, was haben wir gelacht! Über die Körnerfresser vom „Spiegel“ und die Armenhäusler von den Roten. Wir haben mit dem Schalck aus der DDR zusammengehockt und Schnaps gesoffen, bis aus der Jagdhütte ein Dreimaster geworden ist. Dann haben wir alle beschissen – die DDR und die BRD, die Russen und die Amis. Was für eine Gaudi!
Ich war dabei, als es den FJS „aus dem Leben gerissen“ hat, wie man so sagt. Einer, wie der FJS, habe ich gedacht, kommt nicht so schnell wieder.
Zumal es da ja auch so Totalversager wie den Streibl Max gegeben hat. An dem habe sogar ich mir die Zähne ausgebissen. Da gibt es nichts:
Der war einfach ein Depp, ein geschniegelter.
Ich erinnere mich noch, wie ich einmal an ihn hingeredet habe, er muss etwas für sein bajuwarisches Image tun. Die Leute denken sonst, er kann nicht bis drei zählen, aus lauter Dummheit kann er keinen bescheißen, und nicht mal das gepflegte Saufen nimmt man ihm ab.
Er ist im Badezimmer verschwunden, zum Nachdenken. Hat sich die Haare gegelt und dann gemeint, jetzt packen wir’s, jetzt tun wir was fürs Image.
Er hat einen Bus Fotografen nach Oberammergau bestellt und ist mit ihnen auf den Kofel gewandert. Wie ein Preuß‘ in Lederhosen ist er auf den Berg. Oben hat er posiert. Die Knipser haben sich vor ihn auf den Felsen geflackt und ihn von unten nach oben fotografiert. Er hat gemeint, so sieht er wie ein Trenker-mäßiger Held aus. König der Berge, König der Bayern, König der Welt.
Er war aber nur ein lächerlicher Wicht. Ganz Bayern hat gelacht – und ich habe mich geschämt, als wär‘ ich ein Heinzelmännchen.
Naja, tempi passati würde der FJS sagen.
Jetzt habe ich den Herrn Markus.
Und da habe ich was.
© BILDKUNST JOHANNES TAUBERT
