FAMILY BUSINESS
4. märz 2017 ——- winter 16/17, Folge 53
New York, 1980
War ein ziemlich anstrengender Abend, damals mit Malcolm. Wir sind ums Carré gezogen, haben zwei Mädels am Start gehabt, haben die Girls verärgert, haben uns aus den Augen verloren. Irgendwann hat mich ein Barkeeper in ein Taxi nach Queens gesteckt.
War besser so.
Ich guckte in den Himmel, an den Lichterfassaden der Hochhäuser entlang und dachte darüber nach, was für einen Schiss Dad vor dieser Stadt hatte. Er war hübsch drüben in Queens geblieben, für ihn war die Luft über dem zwanzigsten Stockwerk zu dünn. Dad hat seine Millionen gemacht, weil er wusste, wo seine Grenzen waren.
Die Türme ragten schräg in die Nacht, sie machten sich übereinander her. Ich war ganz schön neben mir. Ich hörte Malcolm sagen, dass meine Mutter eine knallharte Lady sei.
„Du, die Frau kann einem Angst machen.“
Wie er das meinte, hatte ich ihn gefragt. Wir hatten noch eine Runde bestellt, dann hatte er gesagt:
„Sie hat alles unter Kontrolle. Auch Deinen Dad.“
Ich schloss die Augen, mochte die Lichter nicht mehr haben. In meinem Kopf trafen sich Dad und Mom zum ersten Mal im Savoy Ballroom. Sie und der Lindy Hop, rundherum Neger und sie:
Fred T., junger Unternehmer, der schon mal ein kleines Vermögen verbaselt hatte und jetzt mit Häusern Geld machte. Mary Anne MacLeod, Zimmermädchen aus Schottland, das noch nicht einmal einen amerikanischen Pass hatte.
Was hatten sie sich zu sagen?
Sie haben sich erkannt.
Fred konnte mit Mary Anne das Unternehmen gründen, das Millionen wert war. Er konnte, mit Mary als Begleiterin, seinen Vater verdrängen.
Mutter hat bald für Fred T. die Beine breit gemacht. Ob ihr das ein Spaß war?
Ich saß im Taxi, das über die große Brücke donnerte, und versuchte mir vorzustellen, wie sie es getrieben haben. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben auf der Heimfahrt in die elterliche Villa.
Aber es ist mir nicht gelungen, ein Bild zu erzeugen. Nichts Pornographisches, nichts Erotisches. Ich konnte mir nicht einmal ausmalen, wie sie sich die Zungen in die Hälse gesteckt haben.
Sie haben fünf Kinder gezeugt, das sollte so sein. Das war gut fürs Unternehmen.
Gefühle passten einfach nicht in meine Familie.
Morgen: Vaters Vater
