DAS MEETING
TANZ DER VIREN II
Mischa Grahammer wartet im Vestibül auf seine Gäste. Sein Haus liegt an der großen Straße nach Freising, Mischa passt auf, dass man das Dorf nicht mit Namen nennt. Bald, hat der Grahammer gesagt, wird er ohnehin umziehen – nur noch seine Freunde sollen wissen, wo er sich aufhält.
Aber noch wohnt er in dem Anwesen, das er vor 30 Jahren gebaut hat. Zur Straße hin stehen die Geschäftsgebäude. Das Lager, der einstöckige Bau mit den Büros und Verkaufsräumen. Ein weitläufiger gekiester Hof mit den Carports für die Limousinen, die Motorräder und die Oldtimer schließt sich an, der Brunnen in der Mitte des Platzes ist schon jetzt am späten Nachmittag mit Lichtersäulen bestrahlt. Am Ende des Hofs residieren Grahammer und seine Freundin.
Festbeleuchtung.
Es ist kein Haus, es ist eine Villa. Weiß, mit einem hellgrünen Kupferdach. Zwei runde Türme, ein mächtiges Haupthaus mit übergroßen Fenstern. Den Eingangsbereich hat Grahammer mit weißem Carrara-Marmor aus der eigenen Firma fliesen lassen, links und rechts säumen griechische Säulen das Entree. Flankiert sind von Eiben in Kübeln, die der Hausherr liebevoll zu Kugeln trimmt.
Der Hausherr, Mischa Grahammer, trägt eine dunkelgraue Hose von Alexander McQueen, dazu eine graugescheckte Bomberjacke und schwarzglänzende Schuhe von Givenchy. Kühner Dreitagebart, raspelkurz geschorener Kopf. Weißbierglas in der Hand, es ist nicht das erste Weizen des Nachmittags.
„Herein, herein! Alle sind schon da. Claude, ich brauch‘ Dich erstmal nicht. Lass‘ Dein Handy an, ich ruf‘ Dich, wenn wir hier fertig sind.“
Der Neger deutet ein Kopfnicken an, schließt den Wagen ab und geht über den Hof zum Gästehaus, wo er ein Zimmer hat.
„Kommt’s weiter.“
Sie queren das Atrium, die Anna nimmt Ferdls Anorak und Severins Feldjacke in Empfang.
„Mir geh’n nachher runter in die Bar. Jetzt sind wir erst einmal im Wohnzimmer.“
Die Freunde haben es sich in den Sitzmöbeln bequem gemacht. Man trinkt Bier, die Anna serviert Häppchen.
Die alten Bekannten. Die meisten kommen aus München, ein paar sind aus Freising oder Dachau oder Landshut, ein paar sind aus dem Oberland. Bis auf Severin und Ferdl sind sie mit ihren Autos angereist, sie werden beim Mischa übernachten, Zimmer hat es genug.
Grahammers Freundin schaut kurz rein, sagt Grüß Gott und ist auch schon wieder weg.
Frauen braucht man nicht.
„Schön, dass Ihr alle da seid. Der Severin und der Ferdl waren gerade noch auf der Demo. Erzählt’s amal: Wie war’s?“
Ferdl Ostler hält sauber das Maul. Braucht keiner zu wissen, dass er den Tag daheim verbracht hat. Soll der Severin reden. Der hört sich ohnehin selbst am liebsten. Und so berichtet der Severin vom beginnenden Bürgerkrieg in der Stadt.
© BILDKUNST JOHANNES TAUBERT
