HANS GEHT’S GUT
TANZ DER VIREN II
Bayerische Voralpen, Kocheler Berge, es ist Ende Februar.
Der Hans hockt vor seiner Hütte und ist gar fast nackt. Die Unterhose hat er, aus Dezenz vor sich, noch angelassen, ansonsten exposiert er die sonnenhungernde Haut der Wärme. Es hat auf der Bank an der Hüttenwand eine Hitz‘, die herrlich durch den Körper geht.
Der Hans hat versucht zu schreiben, aber es war zu warm. Ihm ist für die Hitze im Körper das Wort „fluten“ eingefallen, danach hat er den Schreiber weg gelegt und das Moleskine zugeklappt.
„Fluten“!
Wie armselig ist das denn! Sein Vokabular ist so dümmlich, als nehme er aus dem Diktionär der Menschenverdummer.
Was tut die Frühjahrs-Wärme mit dem Menschen?:
Sie ist „wohltuend“, sie „flutet den Körper“.
So schreibt der Hans, wenn er nicht Acht gibt.
Dann schreibt er wie früher. Gefällig. Unverbindlich. Verlogen.
Nachrichten aus dem Transistor.
Gesundheitsminister Spahn unter Druck – er kündige nur an und realisiere nichts, er trickse auf dem Berliner Immobilienmarkt, er habe es bei der Kanzlerin endgültig verschissen.
Die Bahn will die Bahnhöfe schöner machen. Verbraucherschützer kritisieren indessen, die Tickets seien zu teuer, dazu sagen die Bahn-Leute eher nix.
40 Filialen des Reisebüros DER dicht, Menschen auf der Straße.
DAX nicht ganz über 14000.
Dem Hamburger Hafen geht es gut.
Norweger gewinnen die ersten Titel bei der WM der Langläufer.
Da unten im Land, denkt Hans, geht alles seinen Gang.
„Geht seinen Gang“.
Auch so ein Menschenverdummer-Ausdruck.
Oder nicht?
Hans – wohlig und spärlich bekleidet – überlässt sich der Sonne und murmelt vor sich hin (das ist seit einiger Zeit so, dass er mit sich redet, er ist eben sehr auf sich gestellt):
„Ist doch wurscht, wie ich schreibe. Morgen muss ich einkaufen. Ich muss noch alles fertig machen.“
Guter Plan. Hans steht auf, zieht sich etwas Warmes an – denn nachts wird es noch immer zapfig – und bereitet sich auf den Abend und den nächsten Tag vor.
Es geht ihm gut, recht gut.
© BILDKUNST JOHANNES TAUBERT
