ME, MUCKL
TANZ DER VIREN II
Nehmt’s mir nicht krumm:
Keinen Dunst habt’s.
Keinen Schimmer.
Null Ahnung.
No nothing.
Habt’s es geschnallt? Ich kann Kunst. Wenn ich will, schreibe ich meine Sätze, dass sie eine Pyramide auf dem Kopf ergeben. Jaja, schaut’s Euch noch einmal an, Ihr Deppen: Das da ist eine Pyramide aufm Kopf.
Keinen Dunst habt’s.
Keinen Schimmer.
Null Ahnung.
No nothing.
Sind schon schlechtere Zeilen Weltliteratur gewesen, oder?
Nicht, dass ich das brauchen tät‘. Bin auch ohne Kunst der King.
Ich flüster’s Euch im Vertrauen: Der Größte, das bin ich. Das ist neu für Euch, gell? Ist im Sinne des Erfinders, wenn ich so sagen darf.
Klar, Ihr kennt mich nicht. Aber Ihr kennt meinen Schwippschwager, meinen Unternichtenneffen, meinen Urahnurenkel.
Er ist schon ein ganz netter Anarcho-Anfänger gewesen. Hat sich gebrüstet, er sei ein großer Dichterling. Aber die meisten Reime – sind wir doch mal ehrlich – waren stubenrein. Viel zu brav für die Ewigkeit.
Manchmal sind ihm ein paar echt gute Zeilen passiert.
Rotblaue Sonne,
Ameisen quietschen wie Mäuse,
Was für einen Wonne,
wir bleiben zu Häuse.
Gut, mit dem Pumuckl bin ich verwandt. Bin sozusagen seine Mutation im besten Sinne.
Nicht sichtbar, für niemanden.
Nachfahre der Seefahrerkobolde.
Arbeiten mag ich nicht.
Schöntun mag ich nicht.
Nettsein will ich nicht.
Hab‘ mich mal gefragt, wie ich mich denn rufen will. Mir ist nichts Besseres eingefallen:
MUCKL
Der kleine Muckl.
Klein nur, weil ich in dem Herrn Markus seine Jackentasche passe.
Ansonsten bin ich überhaupt nicht klein. Ein ganz Großer bin ich.
Weil ich durchblicke. Weil ich der Checker bin. Weil ich der Denker und der Lenker bin.
Herr Markus?
Unter uns: Es ist der Ministerpräsident, bei dem ich in der Jackentasche hocke. Er meint, er ist der Denker und Lenker. Ist er aber nicht. Grau ist die Eminenz, Muckl heißt sie, und ist nicht größer wie ein Sacktuch.
Muckl!
Ihr werdet mich kennen lernen.
© BILDKUNST JOHANNES TAUBERT
