FUCK-SYSTEM
TANZ DER VIREN II
Eigentlich hat sich der Ferdl verausgabt. Das öffentliche Wüten gegen die Welt kann einen ja auch auszuzeln. Dieses Schreien und Geifern, dieses Bös-Bellen und Zorn-Zetern macht sehr müde.
Jetzt steht die Frau Angerer – die ist ein angenehm duldsames Opfer – müde auf und verlässt den Park, ohne sich auch nur umzusehen.
Die Rentner-Hippies haben ihr Hirn versoffen, die erreicht der Ferdl nicht. Die Türken-Fußballer, dieses Gute-Laune-Gesocks, kümmern sich nicht um ihr.
Ein letzter Versuch.
Der Ferdl schreit zu den Familien rüber, die ihren Spaß beim Ballspiel haben. Weil die Kinder erschrecken, fasst er Mut und holt das Letzte aus sich heraus.
„Ihr schnallt es noch immer nicht. Sitzt alle mit Euren großen fetten Ärschen auf der Leitung. Umweltverschmutzung. Klimaerwärmung. Gletscherfraß. Deichbruch. Korruption. Dummheit. Internet. Smartphones. Nix unter Kontrolle.“
Jetzt sieht auch einer der Väter zum Ferdl. Gut so. Weiter schimpfen!
„Idiotenvolk. Kanonenfutter. Lemminge.“
Der Vater kommt auf Ferdl zu. Freundlich sieht er nicht aus.
„Fuck-System. Drecksgesellschaft. Kakerlaken und Ratten.“
Der Mann steht vor dem Schimpfenden. „Wenn Sie jetzt nicht aufhören mit der Plärrerei, ruf‘ ich die Polizei.“ Der Mann hat ein Smartphone in der Hand.
Ferdl hält das Maul. Er knurrt wie ein großer Hund und trollt sich.
Am Ende des Tages ist der Ferdl all seine Tiraden los, er dackelt nach Hause in der Feilitzschstraße, betrunken ist er rein gar nicht, weil er ja nicht mehr sein Leben wegsäuft, der Depp. Also, er schließt die Wohnungstür auf und geht ins Nichts.
Die Wohnung:
Wohl geräumt
Ein Aufräumer ist der Ferdl.
Mit der Gilette macht er jeden Morgen das Gesicht glatt.
Jeden Tag eine frische Unterhose. Der Ferdl riecht ordentlich und hat zugeschnittene Fingernägel.
Einen Meter achtzig, hinten sind die Zähne raus, vorne hat der Doktor Ordnung gemacht, wenn der Ferdl lacht, ist das okay.
Der Ferdl sieht recht manierlich aus, wenngleich verschossen, zerwetzt. Er will Ordnung, und das Chaos um ihn herum zerrüttet ihn.
Wohl geräumt will er es haben.
Aufräumen will er, wird er – mit jedem und allem.
Er holt – wir verhehlen es nicht, dass er, der Ferdl, das mit einem täglichen Zorn tut – den Staubsauger (ist ein billiger Staubsauger, nicht so ein Premium-Teil, wie es seine Ex hatte, nichts ist mehr Premium beim Ferdl), also, den Staubsauger raus und saugt Schmutz.
Tee.
Zeitung.
Kein Alkohol.
Vegetarisch.
Wenigstens die Wohnung ist sauber.
Aber der Zorn wird größer, immer wieder. Und dann hält es der Ferdl nicht mehr aus; er geht raus nach Schwabing und schimpft die Leute an.
© BILDKUNST JOHANNES TAUBERT
