TRÄUMEN
TANZ DER VIREN
10. August
Sie sind hübsch, blond und teuer angezogen. Gegenüber der Kunsthalle in der Münchner Theatinerstraße nehmen die Beiden – aufgewachsen in Moskau, eingeheiratet in den Westen – einen Piccolo nach dem Ausstellungsbesuch und sprechen über ihre Eindrücke. Dieser Thierry Mugler ist für sie der Größte. Der Modeschöpfer, Filmer, Rundum-Künstler befeuert ihre Träume; er hat für sie eine Welt des Luxus geschaffen.
Er ist der Mann, dem sie glauben, wenn er sagt: „Wenn wir nicht achtgeben, sind wir für die Schönheit verloren. Im Westen leben wir in einer sehr schwierigen Zivilisation. Die Menschen verlieren den Mut. Aber man muss den Mut haben, glücklich zu sein; man muss tapfer sein.“
So hat es der Guru der schönen Russinen in der „Vogue“ gesagt. Die Mädels aus Moskau sind durch die Ausstellung flaniert und haben sich berauscht. An Wesen aus einer anderen Welt, an untragbarer Couture, an Visionen eines Genies.
Und sie haben gar nicht bemerkt, dass sie selbst Teil einer sehr realen, völlig bizarren Installation der Jetzt-Zeit gewesen sind.
Da lassen sie sich durch die Räume der Kunsthalle treiben, die Mugler-Gläubigen. Sie tragen Masken, die Wärter tragen Masken, die Exponate sind maskiert…
Kollektiv verliert man das Gesicht.
All das ist so unglaubhaft. Das ist so skurill, dass man es nicht glauben mag.
Aber es ist wahr. Verteufelt wahr und echt.
Eine irre Zeit, eine Welt zum Irre-Werden.
