FEIERN
TANZ DER VIREN
7. August
Philip Bovermann hat sich für die „Süddeutsche“ auf der Hasenheide in Berlin umgesehen und ist, gelinde, erschrocken. Dort spielen sie Dantes „Inferno“ nach. Bovermann in „Wir Kinder von der Zauberwiese“ über die Erlebnisse einer geschockten Sanitäterin:
Jessica Kreiß ist müde an diesem Freitagabend. Auf der Rettungsstation trennt sie die schweren von den weniger schweren Fällen.160 bis 200 Patienten kommen am Tag zu ihr. Wegen der Vielzahl unterschiedlicher Symptome, die möglicherweise auf ein Covid-Infektion hindeuten, könnte so gut wie jeder infiziert sein. „Mindestens 80 Prozent müsstest Du eigentlich isolieren, aber das geht natürlich nicht.“
Auf der Hasenheide steht Kreiß inmitten bunter Lichter und Körper, die ohne Masken an ihr vorbeischweben. Es ist angenehm warm, die Stimmung ist entspannt und gelöst. Nur nicht bei ihr.
„Für die Leute ist Corona vorbei“, sagt Kreiß. Nicht nur hier, sie erlebe das jeden Tag auf der Rettungsstation. Die Corona-Müdigkeit. Die Maskenmüdigkeit, selbst bei Angehörigen von Patienten. Ständig müsse sie mit den Leuten herumstreiten, notfalls den Sicherheitsdienst rufen. Dann steht sie wieder im Schockraum mit Corona-Vollschutz, „während mir der Rotz die Wangen und der Schweiß die Beine runter läuft“. Alles für nichts, wenn die Leute sich nicht an „die scheiß Regeln“ halten.
