EINSTURZ
27. Februar ….. winter 16/17, Folge 48
New York, 1980
Dad kommt die Treppe hoch. Er redet mit Mutter, also ist er in Begleitung.
Die Tür wird aufgestoßen.
„Na, dann wollen wir mal sehen“, sagt der Vater. „Holla, Du hast ja wirklich gearbeitet.“
Das klingt gut. Und er hat Recht. Die Schienen laufen kreuz und quer durchs Zimmer. Vom Bett zu den Fenstern, an den Wänden entlang zur Tür, dann biegen die Gleise nach innen, durchqueren den Bahnhof und führen auf unterschiedlichen Wegen zum Bett. In die Landschaft habe ich Bäume und Berge und Bauernhöfe gestellt. Bahnübergänge, vor denen Autos warten. Das rege Leben auf den Bahnsteigen…
Ein kleines Land habe ich ins Zimmer gebaut. Klar, dass die Mutter erstmal sagt:
„Das räumst Du aber auch wieder auf, nicht wahr?“
Ich nicke.
Dad stolziert über die Berge und Wälder zum Bahnhof. Er geht in die Knie. Sein Gesicht ist jetzt so ernst wie sonst, wenn ich ihn auf seine Baustellen begleiten darf.
Ganz genau sieht er sich alles an. Mal von vorne, mal von hinten.
Dann schaut er zu mir. „Da hat es keine Anleitung gegeben – für einen Bahnhof?“
Doch, sage ich.
Dann solle ich ihm doch mal die Anleitung zeigen.
Dad studiert das Papier. Er nickt ein paarmal mit dem Kopf. Blickt wieder zu mir.
„Warum hast Du es nicht so gemacht, wie es da steht?“
Ich erkläre, dass ich einen großen Bahnhof bauen wollte. Nicht so, wie er in der Anleitung ist.
Der Vater ist nicht zufrieden. So gehe das nicht, sagt er. Kein ordentlicher Bahnhof habe heute noch so ein Dach. „Das ist eine miserable Statik“, sagt er.
Ich verstehe nicht ganz.
„Weißt Du, was das ist: eine Statik?“
Ich weiß es nicht.
„Ich zeige es Dir“, sagt der Vater.
Er zieht einen Balken aus dem Giebel. Mitten raus. Das Dach zittert. Der Vater zieht – an anderer Stelle – noch einen Balken raus. Das Dach wackelt.
„Und jetzt zeige ich Dir, was passiert, wenn die Statik nicht stimmt“, sagt der Vater.
Er gibt dem Dach einen Stups. Der Bahnhof stürzt ein.
„So“, erklärt der Vater. „Das ist Statik. Merk‘ es Dir.“
Morgen: Mom und Dad I
