JETZT ERST RECHT
münchen/berlin, 16. februar 2016
Was sind das für Menschen? In München schreibt ein junger Mann, der einen Gutteil seines Lebens mit Sportverletzungen zu schaffen gehabt und sich gerade den Fuß gebrochen hat, auf Facebook, er sei im Kopf “topfit”. In Berlin sagt ein Kerl von einem Athleten, jetzt wisse er, dass sich alle Schmerzen der nächsten Monate lohnen, nun werde er sich gern in die Qualen fügen.
Holger Badstuber heißt der Eine. Er ist Profifußballer und der mit dem gebrochenen Fuß.
Robert Harting, der Andere, ist einer der besten Diskuswerfer der Welt. Gerade hat er bei einem Wettbewerb das Sportgerät weiter als die Konkurrenz geschleudert.
Es war der erste Wettkampf des Robert Harting nach eineinhalb Jahren Verletzungspause. Harting ist ein nachdenklicher Zeitgenosse, der genau wusste, dass seine Chancen, wieder ein Leben ohne Beschwerden führen zu können, nicht sehr groß waren. Er hat sich in der Reha aufgerichtet und dann wieder dem Leistungssport ausgeliefert.
Am Samstag gewann er das Hallen-Istaf in Berlin. Nach dem Wettkampf war er sehr nah am Wasser gebaut: “Ich finde kaum Worte. Das ist ein großes Glück. Nun weiß ich, wie es weiter geht.”
Wie, bitteschön?
Er werde sich auf die Olympischen Spiele in Brasilien vorbereiten. “Das wird ein harter Weg. Ich werde Schmerzen haben. Aber ich will um den Sieg kämpfen. Heute hat mein Körper meine Zukunft entschieden. Das war ein ernster Moment. Schließlich geht es um meine Existenz.”
Der Sieger sah eher aus wie ein Zweifler.

Am selben Tag, als Harting siegte, war Badstuber beim Training des FC Bayern München umgeknickt, hatte aufgeschrieen, musste ins Krankenhaus gebracht werden. Der Knöchel war durch.
Die Kollegen spielten am nächsten Tag für Holger Fußball – so erzählten sie es jedenfalls den Fans.
Dann druckte die “Süddeutsche” eine Bilanz der Badstuber’schen Leidensgeschichte. Berufsunfähig war er: 628 Tage wegen Beschädigungen im rechten Knie. 86 Tage, weil die Hüfte und das Becken kaputt waren. 372 Tage wegen eines defekten linken Oberschenkels. Nun kommen noch geschätzte 195 Tage wegen des linken Sprunggelenks dazu.
Macht in toto und netto rund vier Jahre Profi-Karriere.
Da setzte sich Badstuber an den Computer und ließ per Facebook die “werte Süddeutsche Zeitung” wissen:
Das sei allles ordentlich recherchiert. Es fehle aber noch der Hinweis, dass der Sportler Badstuber im Kopf mehr als klar und verletzungsfrei sei.
Nun muss er wieder in die Schmerzen des Gesund-Werdens. Weil er ja wieder auflaufen will. Er muss spielen, er muss siegen.
Was das für Menschen sind?
Besondere Typen sind das. Nicht normal eben.
