SCHTTT!
scheisszeitenwende 74
Krisensitzung im Rathaus von O., Bürgermeister Max legte sich mit dem Polizeichef Jochen Brunn an. Warum der einen Todesfall am See herunter spielen wolle?
Brunns Argumente waren letztendlich zwingend.
Die Rentnerin Kreszenz Dressler war in der Mitte des Sees untergegangen und nicht mehr aufgetaucht.
Erst am nächsten Tag wurde ihre Leiche an Land geholt. Der Polizist, der die Angelegenheit untersuchte, redete mit allen Menschen, die an Frau Dresslers Todestag am See gewesen waren.
Darunter auch sechs Frauen und Männer, die zusammen Bier getrunken hatten. Zufallsbekanntschaften. Sie waren in den Gesprächen mit der Polizei auffällig gewesen. Nervös und schwitzend. Forsch und ungewöhnlich redselig. Verschlossen und zornig.
Keine und keiner hatte etwas gesehen oder gehört. Frau Dressler? Die kannten sie nicht. Jemand sei im See ertrunken? Noch nie davon gehört.
Der Polizist hatte Langeweile und bohrte nach. Er brauchte keinen großen Scharfsinn.
Alle Sechs kannten die Frau Dressler und haten Ärger mit der ortsbekannten Furie gehabt.
Die Sechs wurden noch einmal einbestellt.
„Wir sind sicher, dass sie zugeschaut haben.“, sagte Jochen Brunn.
„Dann gehören sie bestraft“, sagte Max. „Unterlassene Hilfeleistung ist das. Und Du willst das unter den Tisch kehren – sag‘ mir einen guten Grund.“
„Ja. Wenn wir die Leute jetzt vors Gericht bringen, haben wir Krieg in O. – die Leute warten nur auf so eine Geschichte. Die sind so zornig, die würden am liebsten das Rathaus, die Kirche und die Polizei in Luft jagen.“
Tja, meinte der Landrat, da sei man in O. nicht allein. In allen Dörfern und Gemeinden und in der Stadt brodle es. „Wir dürfen jetzt nicht zündeln. Lieber tun wir nix. Und soweit ich verstanden habe, war diese Frau Dressler ein allgemein unbeliebtes Weibsbild.“
Der Unternehmer Hepp wusste nun auch etwas. „Mit allen hat sie gestritten. Die hat sich mit jedem angelegt. Mir hat sie Polizei auf den Hals gehetzt, weil ich angeblich Ausländer…“
„Hast ja auch“, warf Gremlinski, der nicht an sich halten konnte, ein.
Max stoppte die Diskussion. Man sei sich wohl einig. „Es ist nicht recht, aber es ist das Beste, was wir tun können. Wir tun nix.“
Man nickte.
Max fragte den Jochen Brunn, ob es Dokumente und Unterlagen von der Geschichte gäbe.
Ja. Niederschriften und Gesprächsmitschnitte.
„Die nehme ich zu mir. Dann kann man sie auf der Polizei nicht finden. Und wir haben uns heute nicht getroffen. Klar?“
Man nickte.
