PASST SCHON
scheisszeitenwende 78
„Das ist kein Verhör“, sagte der Polizist. Man wolle sich nur Klarheit verschaffen, wie es zum Tod durch Ertrinken der Frau Kreszenz Dressler gekommen sei. Schließlich sei an diesem sonnigen Nachmittag viel Betrieb am Badesee gewesen. Und, Mike, habe zusammen mit fünf Anderen unweit der Stelle gepicknickt, an der die alte Frau gestorben ist. „Luftlinie waren das gerade mal zweihundert Meter – und Sie haben nichts gemerkt?“
MIKE Nein. Ehrlich. Wenn wir was mitbekommen hätten, hätten wir doch etwas getan. Die Rettung angerufen wahrscheinlich. Ich weiß nicht, ob einer von uns so gut schwimmt, dass er es riskiert hätte.
Das kann ja kiner verlangen, dass man da reinspringt und hinschwimmt und dann taucht. Wenn man sie dann wirklich findet, was passiert dann?
Dann ist sie vielleicht noch am Leben und klammert sich an einen – und man ertrinkt selbst.
Man ist ja kein Rettungsschwimmer.
Aber ist eh egal. Ich habe nichts gesehen, gar nichts, und von den Anderen hat keiner was gesagt.
Das war die alte Frau Dressler, die da ertrunken ist, gell?
Naja, ich sag‘ nix.
Aber was macht die denn da mitten im See? Die ist doch schon ziemlich klapprig gewesen.
Wie bitte?
Na klar, habe ich die gekannt. Jeder in O. hat die Dressler gekannt – und keiner hat sie gemocht. Ich erinnere mich noch, dass wir an dem Nachmittag, an dem das passiert, von ihr geredet haben. Jeder hat eine Geschichte mit ihr gehabt. Den Einen hat sie bei der Polizei angezeigt, den Anderen hat sie aus dem Haus geschmissen, dem Schauspieler hat sie angehängt, dass er kleine Mädchen hinter den Busch zieht.
So eine war das.
Mal ehrlich:
Ist doch besser, so Eine ertrinkt, als wenn ein nettes kleines Mädchen stirbt.
Als ich davon gehört habe, habe ich gedacht: Na gut, diesmal erwischt es nicht die Falsche.
Mehr kann ich dazu nicht sagen.
