HALB TOT
scheisszeitenwende 54
Baden gehen
Man hat ihn operiert. Er ist hinein in den Großen Tunnel zur anderen Welt – dann hat Alexej es sich noch einmal anders überlegt und ist zurück gekehrt in sein überaus wichtiges Leben als berühmter Mime. Nun erzählt er den Rest seines Nahtods.
Der Arzt tritt ans Bett und sagt, „Herr Gentile, da haben’S fei ein Massl gehabt. Wie Sie wohl merken, haben wir ihnen ein Trumm Fleisch und Muskeln aus dem Hintern schneiden müssen. Sie werden wieder gesund, das ist die gute Nachricht. Es dauert seine Zeit, das ist die andere Nachricht. Jetzt brauchen Sie Geduld.“
Die Schwestern, die Pfleger und die Ärzte schützen mich vor der Außenwelt. Kein Journalist schafft es in mein Zimmer. Ich bin geduldig und liege mich gesund.
Nach fünf Wochen werde ich entlassen.
Ich mag nicht mit dem Taxi heimfahren.
Mit schleppenden Schritten verlasse das Rechts der Isar. Langsam, wie ein alter Mann plage ich mich durch die Maximiliansanlagen.
Auf einer Bank mache ich Rast.
München im Mai. Das Rauschen der Stadt. Die Isar ist gletschergrün, hell und sanft ist das Grün der Parkbäume. In den Rabatten blühen die ersten Tulpen. Aus einem Kinderwagen kräht ein unzufriedenes Baby, eine Joggerin hat schöne Beine, eine alte Dame sieht mich, den Schauspieler, mit einem erkennenden Lächeln an.
Ich lächle zurück und mache sich ächzend auf den Weiterweg.
Als ich die Haustür von meiner Stadtwohnung aufsperre, bin ich erschöpft. Ich schlurfe zum Sofa und werde jetzt erst mal eine Pause machen.
„Wasti“ hat mich nicht begrüßt. Weg gedreht hat er sich. Karl Valentin würde sagen:
Der Hund hat seinen Herrn nicht mal ignoriert.
Ich strecke mich aus. Das mit dem Hund macht mir keine großen Sorgen. Das kriegen wir auch wieder hin.
Schön.
Wieder im Leben. Weiter im Leben.
Damals habe ich geglaubt, dass ich von nun an unverwundbar bin.
