FEIERABEND
scheisszeitenwende 124
Hans Krohn trödelt sich durch den Park und ist überfordert.
Im Café hat er seine Biographie abgeschlossen. Das ging rasch.
60 Jahre auf drei Seiten – dann ist er fertig gewesen.
Was er über sich erzählen kann, interessiert ihn nicht sonderlich.
Erfolge. Misserfolge. Pleiten. Comebacks. Frauen. Neue Frauen. Eine wunderbare Frau, die eines Tages weg war. Ein Leben, das danach nichts mehr wert war. Ein Mann, zu feige zur Konsequenz.
Jetzt geht es wieder besser. Das ist Klara. Da ist eine Hoffnung, all das könne noch nicht alles gewesen sein.
Hachja, er muss vorsichtig sein mit den Hoffnungen.
Es ist immer wieder mal besser gegangen – und dann war es wieder kacke.
Jetzt tapert er durch dieses Berlin, hat sich verliebt, traut seinem Gefühl nicht, traut dem nächsten Tag nicht, ist immer noch zu feige für einen ehrlichen Umgang mit sich selbst.
Aber zumindest hat er seine Biographie bis zu diesem Punkt schon mal abgehakt.
Wie steht es in seinem neuen Notizuch?
Und? Wie geht das weiter?
Das ist doch schon mal was.
Eine Joggerin überholt ihn. Schöner Hintern. Die Rampe der Brücke über die Bundesallee ist der Sportlerin zu steil, also geht sie langsam hoch. Das freut Krohn, so kann er den Hintern noch ein wenig studieren. Etwas weiter klaubt der Torwart des FC Wilmersorf an einem Pfosten des Fußballplatzes seine Sachen zusammen und folgt den Kollegen in die Kabine. Training beendet – dann müsste es jetzt acht sein. Krohn sieht auf dem Handy nach.
Richtig.
Acht Uhr abends in der großen Stadt. Er überquert die Uhlandstraße und kauft sich in der Tanke sieben Bier. Zwei Starkbiere aus Skandinavien, fünf Dosen bayerisches.
„Die Plastiktüte kostet aber“, sagt der Mann an der Kasse.
„Wat mutt, dat mutt“, sagt Krohn.
„Ja, genau“, sagt der Mann von der Tankstelle und grinst wie ein Verschwörer.
Wieder zurück in die Uhlandstraße, zur nächsten Bank. Das ist die Station für die skandinavischen Getränke. Die machen schnell betrunken. Dann schlendert Hans Krohn gelassen und von des Tages Fron ermattet zurück durch den dunklen Park in sein mittelhelles Hotel.
Er ist recht zufrieden.
Morgen zieht er ohne Ballast los in den Tag.
Er hat da einen Plan.
