PLACES TO BE
scheisszeitenwende 126
Er wird ganz schön zu tun haben.
Das wird sich Wochen hinziehen, Monate vielleicht.
Wenn es natürlich dumm läuft, ist alles übermorgen vorbei.
13 Orte hat er fürs Erste da unten in der Stadt ausgemacht.
Er notiert sie in Schönschrift.
1 Majakowskiring, oder: Fallada kann nicht mehr.
2 Frankfurter Allee, oder: Frau Wuttke geht Gassi.
3 Moritzplatz, oder: Frisch verliebt.
4 Tempelhofer Feld, oder: Endlose Nächte.
5 Schöneberg, oder: Wie jeht’s, Kollege?
6 Priesterweg, oder: Moin, Berlin!
7 Lipschitzallee, oder: Endstation.
8 Mauerweg, oder: Raus!
9 Grunewald, oder: Vögeln unter Fichten.
10 Wannsee, oder: War Liebermann lieblich?
11 Schlachtensee, oder: Eine Runde mit Herrn Dr. Bartko.
12 Kurfürstendamm, oder: der Hafen des Hans Schimpf.
13 Bahnhof Spandau, oder: sonntags um sechs.
So.
Hans Krohn packt Notizbuch, Stadtplan und Schreibgerät in den Rucksack. Er legt ein Trinkgeld auf den Tisch, wo Kaffee, Salami, Käse und Schrippen vor sich hin rotten. Hans Krohn blickt sich um nach den immer noch tobenden Kindern und den immer noch Blödsinn quatschenden Erwachsenen, er lächelt den Amis zu, die ihn nicht bemerken, schlendert zum Aufzug, wird in 38 Sekunden ins Parterre geschossen.
Sucht sich aus dem Dreh-Ständer ein halbes Dutzend Ansichtskarten aus, kauft auch die Briefmarken („für Post nach Österreich“) dazu und tritt ins Freie.
Mit der S-Bahn fährt er nach Charlottenburg, setzt sich vor die „Schaubühne“.
Endlich guter Kaffee.
Er schreibt:
Klara Pachler, 6500 Landeck, ÖSTERREICH, postlagernd
Liebe Klara,
Du gehst mir ab. Bin noch eine Weile in Berlin. Das ist Karte Nummer 1. Darf ich weiter machen?
