BONJOUR BERLIN
scheisszeitenwende 117 Ein zerwühltes Bett, in dem unaufgeräumt Hans Krohn liegt. Der Vorhang schwingt sacht an der geöffneten Balkontür. Geräusche von der Straße. An- und Abschwellen der Autos. Ein Martinshorn. Das Rauschen der Stadt. Die Nachtigallen – sie haben gelernt, lauter zu singen, weil die City soviel Lärm macht.
Der Fernseher läuft.
Der Kanzler besucht Herrn Trump. Herr Trump legt dem Kanzler die Hand aufs Knie, während er Wörter in den Raum schwallt. Herr Trump hat eine Krankheit – er kann die Wörter nicht halten. Er schwadroniert über Grönland, das ihm bald gehören wird. Über die Kriege, die er beendet hat, weil er mit der Faust auf den Tisch schlug. Siebenmal hätte er den Friedensnobelpreis bekommen müssen. Jetzt ist es ihm auch schon egal.
Der Präsident redet über sich, den Größten. Und die Anderen, die ihn so enttäuscht haben.
Der Vorgänger im Amt. Dieser tattrige Mister Biden, der nichts geschnallt hat. Der Neger-Obama, der die USA dem Abgrund zu trieb. Die Islam-Idioten. Die Klima-Lügner. Die Demokraten-Deppen. Die Kultur-Chaoten. All diese Lügner.
Mister Trump redet über Angela, die deutsche Kanzlerin, die ihre Sache nicht gut gemacht hat.
Der Mann neben Mister Trump ist ein „fähiger, großartiger Mensch“. Friedrich Merz – das ist nicht so ein Waschlappen wie dieser kleine Olaf Scholz.
„Friedrich ist ein guter Mann. Er ist mein Freund. Ein Staatsmann wie ich.“
Der große „Staatsmann“ aus Germany sitzt mit groß gespielter Lässigkeit neben dem Laber-Kopf und rührt sich nicht. Der Tussaud-Fritz sagt kaum was – was soll man auch sagen, wenn Mister Trump redet?
„Friedrich weiß, was er will.“
Friedrich verzieht keine Miene.
Sieht er wichtig aus, der „große Staatsmann“ aus Germany?
Oder nur nichtig?
Die Nachrichten:
Im Iran ist Krieg. Die Israelis drohen, sie werden jeden töten, der im Iran zum Führer werden will. Jeden werden sie killen, wo immer er ist, wie immer er heißt.
Das Öl wird so teuer wie ein 49-er Petrus.
Alle in der Welt haben Angst. Alle in der Welt machen Angst.
Hans Krohn rollt sich vom Bett. Wo ist die Fernbedienung? Da! Er schaltet aus und geht auf den Balkon.
Es wird Frühling in Berlin.
Schluss mit Herrn Trump und dem Kanzler, Schluss mit dem Gelaber. Zum Teufel mit dem Welten-Krieg und den Epstein-Papieren und der Künstlichen Intelligenz; zum Teufel mit den Gedanken ans Verloren-Haben und der Angst vor dem Alt-Schwach-Krank-Werden. Schluss mit gestern und morgen.
Heute ist heute.
Jetzt zieht sich Krohn erstmal an und geht in den Park.
