KRISE
scheisszeitenwende 72
Ja, so war das. So ist das gewesen. So war das gewesen
Max atmet durch. Es tut gut, all das aufzuschreiben.
Ein Monat ist ins Land gegangen, wie im Flug war die Zeit vorbei.
Morgens um fünf hat er sich an den Computer gesetzt und gearbeitet bis zum Mittag.
Er hat einen Teller Nudeln gegessen, eine Stunde geruht.
Danach Sport. Draußen in den Bergen, am See, im Fitness-Studio.
Heim.
Max hat zu Abend gegessen, gelesen, ein bisschen gemalt, vielleicht einen Film geschaut.
Um zehn lag er im Bett.
Die ersten Nächte hat er kalten Entzug gehabt. Jetzt schläft er wie in seinem Leben vor den Sorgen.
Er legt sich hin und ist weg.
Er wundert sich darüber, wie es ihm geht.
Dass er noch lebt.
Dass er jeden Tag rasiert ist.
In den letzten Wochen hat es für ihn keinen Alkohol gegeben.
Nun hat er frei und setzt sich mit dem Wein in den Sonnenuntergang.
Der letzte Akt von „Baden gehen“ muss noch gemacht werden. Dann geht es richtig los.
Max lächelt. Als er an die Wand im ersten Stock mit einem dicken Pinsel in schwarzer Farbe „SOKO WELT“ geschrieben hat, wusste er nicht, wohin ihn das führen würde.
Jetzt hat er so eine Ahnung.
Als SOKO WELT an der Wand stand, wusste er nicht, wo er beginnen sollte. Es hat gedauert.
Nun muss er nicht mehr nachdenken. „Baden gehen“ – das ist es.
Damals hat es angefangen: Dass er nicht mehr dazu gehörte.
Er war Bürgermeister und verwaltete die Pandemie. Er war gerade unterwegs zum Unternehmer Otto Hepp, man musste über die Krise reden – da jaulte die Ami-Polizeisirene seines Handys.
Der Polizeichef. Man habe einen Notfall und brauche ihn sofort. Der Chefredakteur vom „Merkur“, der Landrat würden auch kommen. Man brauche ihn. In einer halben Stunde! Im Rathaus!
Er sei auf dem Weg zum Hepp. Sehr wichtig.
„Was wir haben, ist wichtiger. Aber weißt was? Bring‘ den Hepp mit.“
Worum es gehe?
„Nicht am Telefon. Kommt’s ins Rathaus. In einer halben Stunde.“
