BYRON BITTESÄHR!
scheiszeitenwende 56
Baden gehen
Schwenk zu Marianne und Alexej. Sie sitzen auf einer Bank ohne Rückenlehne. Zwischen sich haben sie die Rucksäcke und die Badetücher gestapelt – so muss man sich nicht zu nahe kommen.
ALEXEJ Zur Zeit lese ich viel Byron.
MARIANNE Ah. Jetzt ist es der Byron. Zuerst blamieren mich Mister Gentile im Kaffeehaus, dann radelt man schweigend an den See. Dann fragt man nicht, ob wir vielleicht etwas in der Wirtschaft trinken. Nein, man setzt sich auf die Bank und schwadroniert, jetzt über den Byron.
Ach, Alexej, hast Du kein neues Programm? Immer die alten Platten. Also gut, der Herr Staatsschauspieler:
Lassen Sie es krachen, Alexej Gentile. Sie sind dran:
Lord Byron, bittesähr!
ALEXEJ Marianne, auch wenn Du meinst, ich sei ein morbider, dunkeldenkender Verneiner, ein Jünger der Finsternis. Auch wenn Du allen erzählst, ich hätte dem Lachen abgeschworen:
Du hast nicht Recht. Du kennst mich nicht mehr.
Gott, Du bist so flach geworden, meine geliebte Marianne, flach und platt und bar jeder Vision.
MARIANNE (kramt in ihrem Rucksack) Wo ist denn das Geld? Weißt was, Alexej, Du erzählst weiter von Deinem Byron, und ich hole erst mal ein Bier. Willst auch eins?
Sie findet das Geld nicht. Resigniert hört sie ihrem Mann noch ein bissl zu.
