SELBER SCHULD
scheiszeitenwende 29
„Weißt, warum?“
Was er meint?
„Warum mir das alles stinkt. Weißt, warum?“
Nein.
Der Hans macht sich ein neues Augustiner auf.
„Ich erzähl’s Dir.“
Erst einmal ein Schluck.
„Ich hab’s den Leuten nicht übel genommen, dass sie nichts mehr von mir wissen wollten. Ich war der Bürgermeister aus der Corona-Zeit. So einen wird man gern los. Und als mir die Frau gestorben ist, war ich wie einer mit einer ansteckenden Krankheit. Der Hans bringt Unglück, haben sie alle gedacht – ich habe es ja selbst geglaubt. Und so ist es halt gekommen.“
Pause. Augustiner.
Aber für das, was jetzt passiert, kann er nix.
„Da seid schon Ihr Schuld. Alle miteinander.“
Tschuldigung – was war das?
„Wart amal.“
Hans Krohn steht ächzend auf, schlurft – die Bierflasche in der Rechten schlenkernd – ins Haus, rumort in der Stube und kommt mit einem Notizbuch in der Linken zurück.
„Hier! Ich schreibe alles auf. Sonst kann ich mir‘s nicht merken. Und ausdenken kannst Dir das doch gar nicht.“
Er blättert.
Genau!
Hans fährt mit dem Finger auf der Seite entlang, als er sich selbst die jüngste Vergangenheit vorliest.
