ES WAR EINMAL
scheisszeitenwende 28
Der Hans Krohn – ist 2012 zum Bürgermeister von O. gewählt worden.
Das war ein gutes Jahr damals. Deutschland wurde Weltmeister in Brasilien, und der Max war am Zielpunkt.
Bürgermeister.
Gut hat er es gemacht. Er ist ein Schwarzer, und so hat er wunderbar in die Heimat-Politik gepasst; aber auch die Grünen haben seine Amtsführung fast allerweil gemocht.
Unter ihm ist ein Gewerbegebiet entstanden. Das Klärwerk haben sie saniert, die Eishockey-Mannschaft ist in die Dritte Liga aufgestiegen, dem Ort sind mehr Menschen zugewachsen als Alte weggestorben sind.
Unter dem Hans ist der Ortsteil Weichmering für seine Gärten und Vorgärten ausgezeichnet worden. Und der Bayerische Rundfunk, also die vom Fernsehen, haben den Max dreimal interviewt.
Dann war Corona.
Brav hat er alles gemacht, was die vom Ministerium und der Ministerpräsident angeschafft haben.
Nach Corona ist sein Leben implodiert.
Jetzt sitzt Hans Krohn auf der Bank vor seinem Haus. Die Frau ist gestorben, die Kinder mögen nichts mehr von ihm wissen. Die Nachbarn machen einen Bogen um den Hans. Wenn er ein Bier trinken will, muss er in den Pub am Bahnhof – am Stammtisch ist kein Platz.
Der Hans sitzt vor seinem Haus und schaut auf die Berge. „Schön“, sagt er.
„Sehr schön. Ich kann‘s nicht mehr sehen.“
