BLENDER
„2017”*, Folge 91, 17. Dezember. “Durchs Land”/XXXII
Dessau. Grauer, nasskalter Tag. Trübe Stimmung, nicht aufgeheitert durch den Besuch des Bauhaus-Museums. Keine Freude an Schlemmer und Scheper, Stölzl, Werner, Breuer, Meyer oder Pohl. Schlechter Kaffee, brösliges Gebäck.
Am Bahnhof die Sonntagszeitungen und die „Zeit“ gekauft.
Das hätte Hans Krohn besser nicht getan.
Die „Zeit“ macht ihn zornig. Genauer gesagt: Das „Zeit Magazin“ möchte er in die Tonne treten.
Der Kollege Jürgen Teller knipst Schulkinder in Bubenreuth, die die „Bilder des weltberühmten Fotografen“ nachstellen. Krohn kann’s nicht begreifen: Er sieht unbegabte Bilder, er erinnert sich an eine Fake-Ausstellung im Berliner Gropius-Bau, er hat den unappetitlichen Jürgen Teller vor Augen: einen Künstler-Darsteller, der es dreist zum Weltruhm geschafft hat.
Krohn hat mal ein Interview gelesen, in dem Teller sagte:
„Ein Großteil der Fotos ist in und um mein neues, 70 Meter langes, doppelstöckiges Studio in North Kensington herum entstanden. Ich habe drei Häuser dort reingebaut, mit Küche, Sauna, Bibliothek. Zwei Gärten angelegt, Bäume gepflanzt. Die ganze Straße musste für einen Tag gesperrt werden, weil sie mittels eines Krans übers Dach gehievt werden mussten. Das hat mich so viel Geld gekostet, dass ich dachte: Dann muss ich die Bäume unbedingt fotografieren. So steckt immer eine Geschichte hinter jedem Foto. Im Englischen gibt es das Wort „storyteller“. Es geht auch um Geschichten aus meinem Leben. Ja, es ist ziemlich komplex, schwierig, ernst, lustig und nachdenklich zugleich.“
Uihh, mögen da viele sagen, wenn sie das lesen.
Hans Krohn kriegt das Kotzen. Er denkt:
Noch einer wie mein Vater.
xxx
Sebastian Krohn.
Architekt.
Der teuerste im Land.
Ließ sich nicht in die Karten gucken.
Behauptete, er sei der Beste.
Behauptete, er habe eine Vision.
Behauptete, ihm gehe es um schöne Häuser und nicht ums Geld.
Ließ keine Anderen neben sich bestehen.
Lernte vor öffentlichen Auftritten zwei exotische Fremdwörter, die er dann geschickt in seinen Ausführungen unterbrachte. Alle sagten: Uihh!
Dabei hatte er keine Ahnung. Aber das wussten nur seine Frau und er.
Er war ein Kaiser ohne Kleider – aber alle schrieen:
UIHH!
*“2017“ beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der „Heimat“.
