IM BETT
„2017”*, Folge 68, 24. November. “Durchs Land”/X.
München. Ein frühlingshafter Novembertag. Ministerpräsident Seehofer lässt sich nicht aus dem Amt schubsen, schon wieder hat er die Partei vertröstet – man werde bald einen Weg aus der verzwickten Situation finden. Das habe noch immer funktioniert.
Die Parteifreunde haben sich die Hände gerieben, weil die Gegner Seehofers wieder mal klein beigeben mussten – und der Chef spielt weiter auf Zeit. Er hat sich zu einem großen Aussitzer gemausert.
Günter Greiner, gebürtiger Aschheimer, seit 50 Jahren im Fußballclub, Gründungsmitglied des örtlichen Blasmusikvereins, ist die Machtschacherei der Schwarzen wurscht. Es hat Zeiten gegeben, da hätte er sich in die Faust gelacht, weil der Seehofer die Rebellen in der CSU so herrlich am Nasenring durch die Öffentlichkeit zerrt. Aber momentan hat der Greiner Günter andere Sorgen.
Und er wähnt die Ordnung des Freistaats in höchster Gefahr.
Der Grund?
Sie wollen ihm das Maul verbieten.
Wie erwähnt: Der Greiner ist aus Aschheim. Zeitlebens hat er sich im Dialekt der Heimat verständlich gemacht. Ist auch immer gut gegangen. „I red’ wia mia da Schnabl gwachsn is“, sagt der 63-Jährige.
Doch jetzt soll Schluss sein mit O-Ton Bairisch. Greiner, der brave Hausmeister, ist aufgefordert worden, sich an seinem Arbeitsplatz des Hochdeutschen zu befleißigen: Auf der Homepage der Grundschule an der Walliser Straße in Fürstenried, wo Greiner seit 17 Jahren den Laden in Schuss hält, werden die Eltern gebeten, „Geduld“ mit ihm zu haben, wenn er „versucht, hochdeutsch zu sprechen“.
Dialekt wird an der Schule nicht gern gesehen: „Im Schulalltag versuchen wir doch Hochdeutsch zu sprechen“, sagt Schulleiter Stefan Inderst. Das ärgert Horst Münzinger, den Vorsitzenden des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte. „Das ist eine Diskriminierung. Wenn jemand 1,50 Meter groß ist, muss er auch keine Plateauschuhe anziehen. Der Dialekt ist das Merkmal dieses Menschen.“
Nun könnte man das als kleine Posse in der Vorstadt abhaken. Geht aber nicht. Denn Greiner dreht jetzt den Spieß um:
Warum, bittesehr, solle er hochdeutsch reden? Mit Schülern, die das Hochdeutsche gar nicht verstehen. Der Hausmeister erklärt – und am Stammtisch klopfen sie vor Begeisterung mit den Knöcheln auf Holz:
„Mia ham so vui ausländische Kinder in da Schui. Türkn. Migranten. Asiaten. Wenn de sauba Deitsch lerna, nachad red i hochdeitsch aa. Aber de redn so, dass de Lehra koa Wort vastehn.“
Sie reden viel in Fürstenried. Alle sprechen. Aber keiner will verstehen. Und zuhören schon gar nicht.
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Der Sex war es wohl nicht.
Hans Krohn hat sich wohl gefühlt, das schon. Es war schön, diese Frau zu streicheln. Er genoss die Nähe, er fühlte sich beschützt in der Umarmung.
Sie sah ganz gut aus. Nicht, dass sie ihn verrückt gemacht hätte. Aber er schaute sie gern an.
Flacher Bauch. Sportliche Beine. Ein handlicher Hintern. Der Busen war nicht so groß, wie er es mochte, aber es war eine feste Frauenbrust mit frech platzierten Warzen.
Sie hatte sinnliche Lippen und zärtliche dunkle Augen. Sehr lange seidige braune Haare. Es verwirrte ihn lange Zeit, wenn sie übermütig die Haare nach hinten warf.
(Später ging ihm diese Marotte schrecklich auf den Keks)
Sie war keine Schönheit, aber appetitlich – das war sie.
Sie geriet im Bett nicht außer sich, ihr Atem ging vielleicht ein wenig schwer.
Vielleicht bildete er sich das auch ein.
Sie mochte keine Experimente, wollte nichts erfinden. Den Sex erledigte sie unangestrengt, und wenn es vorbei war, zog sie den Pijama an und griff zum Buch.
Das störte ihn nicht. Er ejakulierte, machte sich trocken und dachte über Fotos nach, die seine Karriere befördern würden.
Sie mochte es nicht, wenn beim Sex Licht brannte. Sie war nicht gern nackt und berührte sein Geschlecht nicht mit Freude. Sie wollte auch nicht drüber reden.
(Später war sie nur noch am Sonntag nach dem „Tatort“ ausgeruht genug, und dann kamen die Jahre, in denen es auch ohne Sex ging)
Er schenkte ihr einmal ein herrliches Dessous (beim Einkauf hatte er eine Erektion bekommen). Sie begutachtete die Spitzen und wog das hauchleichte Teil in der Hand. Fragte, was es gekostet habe. War nicht zufrieden, als er nicht antwortete. Faltete es zusammen, legte es in die Wäscheschublade, stieg in den Pijama.
Sie hat es nie angezogen, er hat nie mehr Reizwäsche für sie gekauft.
Der Sex war es nicht. Soviel ist schon mal klar.
*“2017“ beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der „Heimat“.
