WILLKOMMEN!
berlin, 8. märz 2016
„Ahlan wa-sahlan“ – die drei Berliner Spitzendirigenten Sir Simon Rattle, Iván Fischer und Daniel Barenboim haben bei einem gemeinsamen Konzert Flüchtlinge auf Arabisch willkommen geheißen. Schirmherrin war Angela Merkel (CDU), drei großartige Orchester spielten auf. Intendant Martin Hoffmann erklärte den rund 2200 geladenen Flüchtlingen in der Philharmonie strahlend. „Seien Sie herzlich willkommen in Berlin! Eines verstehen wir alle gemeinsam – die Sprache der Musik.“
Es gab Mozarts Klavierkonzert in d-Moll – Barenboim dirigierte und verzauberte mit seinem Flügel-Spiel. Das „Konzerthausorchester brachte unter Iván Fischer Prokofjews Symphonie Nr. 1 beschwingt und federleicht zum Klingen. Und Simon Rattle ließ zum Abschluss die Berliner Philharmoniker mit solcher Leidenschaft durch Beethovens Siebte fegen, dass“ – so der Tagesspiegel – „das Publikum zum Applaus begeistert von den Sitzen aufsprang.“
Danach waren die Veranstalter beglückt. Und die Konzertbesucher vom Lageso?
Nun, einige fanden es herrlich, den Mozart, den Prokofjew und den Beethoven hören zu dürfen. Viele aber haben auch ratlos die Philharmonie verlassen.
„Ich weiß nicht, was wir hier sollten“, sagte eine Mutter von zwei Kindern einem Deutschlandfunk-Reporter. „Ich kenne diese Musik nicht. Wenn Omar Souleyman gesungen hätte – oder ein anderer Künstler aus der Heimat! Dann hätten wir das Gefühl gehabt, hier wird etwas für uns getan. Aber ich kann nicht viel mit Eurer Musik anfangen. Wenn ich das höre, spüre ich, wie weit die Heimat jetzt weg ist.“
Ob sie nicht dankbar sei, wurde die Frau gefragt.
Ja, sicher, sie sei dankbar, dass sie lebe.
Aber die Angst bleibt. Nein, die Angst wird größer. „Meine Töchter haben ihr Leben zurück gelassen – und ein neues sehe ich nicht.“
Und wenn sie Mozart hört, ist das kein Trost sondern ein kleiner pieksender Schmerz.
Zuhause in Ra-s al-Ain kommt aus dem Radio die hohe Stimme des coolen Souleyman (das ist der Sonnenbrillen-Macho auf dem großen Foto). Er singt von Liebe und Natur und Sehnsucht. Das ist vertraut und fehlt.
Hier wollen ihr nette Leute etwas Gutes tun und bieten Beethoven. Das ist fremd und macht auch ein bisschen Furcht.
So ist das nun mal, wenn Menschen entwurzelt werden.
