{"id":916,"date":"2015-03-18T18:29:05","date_gmt":"2015-03-18T18:29:05","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=916"},"modified":"2015-03-18T18:29:05","modified_gmt":"2015-03-18T18:29:05","slug":"teutscher-friede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/teutscher-friede\/","title":{"rendered":"TEUTSCHER FRIEDE"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>coburg, 18. m\u00e4rz 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Coburg ist ein idyllischer Flecken im beschaulichen Oberfranken. Die Veste ragt 170 Meter \u00fcber dem Schlossplatz, auf dem es die besten Rostbratw\u00fcrst\u2019 der Region gibt. Bis 1918 war Coburg Residenzstadt der Herz\u00f6ge von Sachsen-Coburg, von der Mitte des 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts Garnisonsstadt; seit 1971 gibt es eine Fachhochschule. Seit 2005 darf sich Coburg &#8220;Europastadt&#8221; nennen. Alles bestens eigentlich. Wenn es da nicht die Vergangenheit des fabelhaften Max Brose g\u00e4be.<\/strong><\/p>\n<p>Brose (1884-1968) war ein exzellenter Gesch\u00e4ftsmann. In Coburg hat er ein weltweit agierendes Unternehmen aufgebaut, heute entwickelt und produziert die Brose-Gruppe an weltweit 58 Standorten in 23 L\u00e4ndern mechatronische Komponenten und Systeme f\u00fcr Fahrzeuge. Das Familienunternehmen besch\u00e4ftigte im Jahr 2014 weltweit \u00fcber 23.000 Mitarbeiter. Umsatz: f\u00fcnf Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Alles bestens, alles im Sinne des Firmengr\u00fcnders Max Brose, der von Berlin nach Coburg zugewandert war.<\/p>\n<p>Doof nur, dass seine Joppe ziemlich braun gef\u00e4rbt war &#8211; und dass er in der \u00c4ra des kurzen Tausendj\u00e4hrigen Reichs auch Zwangsarbeiter in seinen Fabriken malochen lie\u00df. Es gibt eine Akte dazu, ernsthafte Zweifel hat niemand.<\/p>\n<p>Nun hat Coburg ein Problem. Vergangenheit hin, Vergangenheit her \u2013 viele ernst zu nehmende B\u00fcrger Coburgs sind der Meinung, man k\u00f6nne durchaus dem verdienten Sohn der Stadt ein Strasserl schenken.<\/p>\n<p>Das hat aber einigen Miesmachern gar nicht gepasst. Und so streitet man in Coburg seit Jahr und Tag \u00fcber die Max-Brose-Stra\u00dfe. Nun hat sich auch Josef Schuster vom Zentralrat der Juden gemeldet. In einem Brief an Oberb\u00fcrgermeister Norbert Tessmer, SPD, spricht sich Schuster besorgt gegen die Max-Brose-Stra\u00dfe aus.<\/p>\n<p>In seinem Schreiben geht Schuster darauf ein, dass im Metallwerk Max Brose w\u00e4hrend der Zeit der NS-Herrschaft Zwangsarbeiter besch\u00e4ftigt wurden. Dies schlie\u00dfe aus, dass die Stadt Coburg, die zudem die erste von Nazis regierte Stadt in Deutschland war, eine Stra\u00dfe nach Max Brose benennen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Jetzt tritt Brose-Enkel Michael Stoschek auf den Plan. Er und Coburg sind in einen Dauerzwist verknotet \u2013 nach der Absage des Stadtrats an eine Max-Brose-Stra\u00dfe hatte Stoschek laufende F\u00f6rderungen, die nach Coburg flossen, v\u00f6llig eingestellt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_920\" aria-describedby=\"caption-attachment-920\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-920 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/bro2-300x225.jpg\" alt=\"bro2\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/bro2-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/bro2-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/bro2.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-920\" class=\"wp-caption-text\">Wenn schon nicht in Coburg &#8211; in Hallstadt gibt es schon eine Max-Brose-Stra\u00dfe.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf Vermittlung von Oberb\u00fcrgermeister Tessmer, der seit Mai 2014 im Amt ist, hat sich die Stadt Coburg jetzt wieder an Michael Stoschek angen\u00e4hert. &#8220;Unser aller Ziel muss es sein, die pers\u00f6nlichen Diffamierungen der Familie Stoschek zu revidieren, und den langj\u00e4hrigen Streit, nicht zuletzt zum Wohle unserer Stadt, beizulegen.&#8221;<\/p>\n<p>Stoschek (&#8220;ich bin meinem Gro\u00dfvater unendlich dankbar&#8221;) hat den Historiker Gregor Sch\u00f6llgen beauftragt, die Vergangenheit von Max Brose aufarbeiten zu lassen. Dass der Opa Parteimitglied in der NSDAP war, zum Wehrwirtschaftsf\u00fchrer berufen wurde und Zwangsarbeiter besch\u00e4ftigte, &#8220;sind Fakten&#8221;, so Stoschek, die niemand bestreitet.<\/p>\n<p>Auch den Vorwurf, die Firma seines Gro\u00dfvaters habe Zwangsarbeiter besch\u00e4ftigt, bestreitet Stoschek nicht. Aber wurden Zwangsarbeiter nicht auch von anderen Betrieben, der Stadt Coburg und von den Kirchen eingesetzt?<\/p>\n<p>Es gehe nicht darum, dass man Zwangsarbeiter besch\u00e4ftigte, so die fr\u00e4nkische Argumentation. Sondern darum, wie man sie behandelt hat, und in diesem Zusammenhang habe sich Max Brose nichts vorzuwerfen.<\/p>\n<p>Also alles bestens? Schon, wenn man der Fraktionsvorsitzenden der SPD, Bettina Lesch-Lasaridis, glaubt. Die erkl\u00e4rt fest und frei von Zweifeln: &#8220;Nachdem, was man so \u00fcber Max Brose h\u00f6rt, war er ein guter Mensch.&#8221;<\/p>\n<p>Und so zieht dann wohl doch wieder ein teutscher Frieden ein in der sch\u00f6nen Residenzstadt. Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n auf der Homepage: &#8220;Coburg spannt den Bogen zwischen Geschichte und Moderne, verbindet Altes gekonnt mit Neuem. Nicht umsonst lautet das Stadt-Motto &#8220;Werte und Wandel&#8221;. Hier hat man ein ebenso feines Gesp\u00fcr f\u00fcr Tradition wie f\u00fcr Innovation. Und zwar im wirtschaftlichen wie im kulturellen Bereich. In Coburg versteht man es, nicht nur erfolgreich zu arbeiten, sondern auch vorz\u00fcglich zu leben. Entdecken Sie Coburg!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>coburg, 18. m\u00e4rz 2015 Coburg ist ein idyllischer Flecken im beschaulichen Oberfranken. Die Veste ragt 170 Meter \u00fcber dem Schlossplatz, auf dem es die besten Rostbratw\u00fcrst\u2019 der Region gibt. 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