{"id":886,"date":"2015-03-14T13:41:26","date_gmt":"2015-03-14T13:41:26","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=886"},"modified":"2015-03-14T13:42:04","modified_gmt":"2015-03-14T13:42:04","slug":"berliner-pulsschlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/berliner-pulsschlage\/","title":{"rendered":"PULSSCHL\u00c4GE"},"content":{"rendered":"<div><em><strong>berlin, 14. m\u00e4rz 2015<\/strong><\/em><\/div>\n<div><strong>Grau verwaschen der Himmel \u00fcber dem Ku\u2019damm. Eilig die Menschen. Der Hund vom Bettler am Olivaer Platz sucht Streit mit einem altgedienten Berliner Dackel, der Bettler beruhigt ihn mit einem Keks. Ein Herr &#8211; Sonnenbank-Br\u00e4une, Kaschmirmantel, Budapester Schuhwerk \u2013 bleibt versonnen vor einer Litfasss\u00e4ule stehen. Da gurren sie und geben sich lose, sie saufen und weibern \u2013 die Damen und ihre Kavaliere auf den Fotos aus den 1920-ern. Sie k\u00f6dern das Publikum, locken in Veranstaltungen, die das &#8220;Berliner Blut&#8221; im Konzerthaus wallen lassen sollen. Berliner Blut \u2013 wie pulst das eigentlich wirklich in diesen M\u00e4rztagen des Jahres 2015?<\/strong><\/div>\n<div>&#8220;Aufregend, kreativ, dynamisch und weltoffen \u2013 so war Berlin. So ist Berlin. Wir widmen das Festival Mythos Berlin dieser sich stetig ver\u00e4ndernden und sich gerade darin selbst treu bleibenden Stadt.&#8221;<\/div>\n<div>So hei\u00dft es in der Ank\u00fcndigung des Konzerthaus-Zyklus.<\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_890\" aria-describedby=\"caption-attachment-890\" style=\"width: 238px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-890 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PTa10298-238x300.jpg\" alt=\"PTa10298\" width=\"238\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PTa10298-238x300.jpg 238w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PTa10298-600x755.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PTa10298.jpg 779w\" sizes=\"auto, (max-width: 238px) 100vw, 238px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-890\" class=\"wp-caption-text\">Das ist die Berliner Guck-in-die-Luft&#8230;,<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div>&#8220;Intellektuelle, Kulturschaffende und Lebensk\u00fcnstler waren in Berlin schon immer willkommen. Sie f\u00fchlen sich in dieser Stadt wohl und bedanken sich f\u00fcr die gew\u00e4hrten Freir\u00e4ume mit vision\u00e4ren Ideen und kreativer Kraft. Schon die 1920er Jahre waren f\u00fcr die K\u00fcnstler Berlins inspirierende Zeiten. Komponisten wie Hanns Eisler, Kurt Weill, Franz Schreker und Heinz Tiessen schufen mit ihrer Tonsprache den ganz besonderen Klang der Stadt. Ihre Werke sind im Festivalprogramm genauso vertreten wie die aktuelle Antwort des in Berlin lebenden Komponisten Christian Jost, der mit seiner \u201eBerlinSymphonie\u201c ein musikalisch schillerndes Nachtbild der Stadt entwirft, die niemals schl\u00e4ft.&#8221;<\/div>\n<div>Was weiter noch zu sehen sein wird: rappende Handpuppen in Begleitung eines Swing-Orchesters, Klassik-Stars und DJs in einer Yellow Lounge, Wasserwellen, Stola und Gamaschen bei der Party Boh\u00e8me Sauvage\u2026<\/div>\n<div>Der Herr vor der Litfasss\u00e4ule ist angenehm ber\u00fchrt. Ja, so mag er sein Berlin.<\/div>\n<div>Aber nun genug geguckt. Jetzt flaniert der Mann weiter in Richtung Kempinski. Es ist Zeit f\u00fcr ein Journal und einen Espresso.<\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_888\" aria-describedby=\"caption-attachment-888\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-888 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKumann10300-300x225.jpg\" alt=\"PKumann10300\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKumann10300-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKumann10300-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKumann10300.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-888\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;die die Kerle zu den Weibern ruft.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div>Da sitzt man dann unter anderen Kaffee-H\u00e4uslern und besieht sich das Treiben drau\u00dfen vor der Scheibe. Man hat Mu\u00dfe \u2013 und macht sich so seine Gedanken \u00fcber die City und das Berliner Blut und den Herzschlag dieser Stadt.<\/div>\n<div>Was geht denn vor da drau\u00dfen?<\/div>\n<div style=\"text-align: center\">xxx<\/div>\n<div>In Kreuzberg haben die Anrainer die Nase voll. Lautes Gr\u00f6len, Pf\u00fctzen aus Erbrochenem und das fortw\u00e4hrende Rattern der Rollkoffer rauben ihnen den letzten Nerv. Die Touristen sind schuld, jetzt sollen sie endlich eingenordet werden. Vom 8. Mai bis zum 11.\u00a0Juli werden Pantomimen an 15 Wochenend-Abenden gemeinsam mit Mediatoren versuchen, n\u00e4chtliche St\u00f6renfriede zur R\u00e4son zu bringen.<\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><em><strong>Weil:<\/strong><\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><em><strong>Auch in Berlin hat eine Toleranz ihre Grenzen.<\/strong><\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: center\">xxx<\/div>\n<div>In Zehlendorf ist Krieg. Wegen der Kack-Hunde. Wie schon im &#8220;Journal&#8221; beschrieben r\u00fcsten sich rund um den Schlachtensee die Hunde-Gegner gegen die Hundehalter zum Raufen. Vom 15. Mai an soll dort auf Betreiben der Gr\u00fcnen-Stadtr\u00e4tin Christa Markl-Vieto ein generelles Hundeverbot gelten. Auch angeleint d\u00fcrfen die Tiere dann nicht mehr am Uferweg laufen. Eine G\u00fctlichkeit ist nicht mehr in Sicht \u2013 jetzt geht die Sache vors Gericht.<\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><em><strong>Weil:<\/strong><\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><em><strong>Wenn\u2019s um die Hunde-Wurst geht, wird die Sache tierisch ernst.<\/strong><\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: center\">xxx<\/div>\n<div>Der Aufsichtsrat des Hauptstadtflughafens BER empfiehlt den Eigent\u00fcmern, 1,1 Milliarden Euro f\u00fcr den Weiterbau des Flughafen freizugeben &#8211; ein Teilerfolg f\u00fcr Hartmut Mehdorn, der jedoch auf einen letzten \u00f6ffentlichen Auftritt verzichtete.<\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_889\" aria-describedby=\"caption-attachment-889\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-889 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKu410302-300x225.jpg\" alt=\"PKu410302\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKu410302-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKu410302-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKu410302.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-889\" class=\"wp-caption-text\">Und die Damen m\u00f6gen&#8217;s sehr&#8230;,<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div>So etwas kennt man von Mehdorn, dem einsamen grauen Wolf, gar nicht: Dass der den Schwanz einzieht und eine Gelegenheit zum Kl\u00e4ffen ausl\u00e4sst.<\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><strong><em>aBER:<\/em><\/strong><\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><strong><em>Genug gebellt, man kann es nicht mehr h\u00f6ren.<\/em><\/strong><\/div>\n<div style=\"text-align: center\">xxx<\/div>\n<div>Wird das Hasch erlaubt? Die Gr\u00fcnen wollen\u2019s so. Auf 70 Seiten haben sie 45 Paragrafen zu Papier gebracht \u2013 ein neues Cannabiskontrollgesetz (CannKG) k\u00f6nnte mit einem Schlag Millionen Deutsche entkriminalisieren und Milliarden in die Staatskasse sp\u00fclen. Allein in Berlin k\u00f6nnten mindestens\u00a0 90 Millionen Euro eingespart werden.<\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><strong><em>Und:<\/em><\/strong><\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><strong><em>Berlin dr\u00fcckt die Daumen \u2013 soviel Toleranz muss sein.<\/em><\/strong><\/div>\n<div style=\"text-align: center\">xxx<\/div>\n<div>Dann hat die Stadt auch auf den letzten Dr\u00fccker noch entdeckt, dass es doch ganz sch\u00f6n w\u00e4re, 2024 Olympia-Gastgeber zu sein. Kurz vor der Entscheidung, ob Hamburg oder Berlin sich f\u00fcr die Spiele bewerben darf, legt man sich an der Spree noch mal m\u00e4chtig ins Zeug.<\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_891\" aria-describedby=\"caption-attachment-891\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-891 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKud210301-300x191.jpg\" alt=\"PKud210301\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKud210301-300x191.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKud210301-600x383.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/PKud210301.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-891\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;mit Berlinern spielen ist nicht schwer.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div>Die &#8220;Berliner Zeitung&#8221; fragt junge Menschen, warum sie Olympia geil finden. Und bekommt beispielsweise vom paralympischen Schwimmer Felix (213) die Antwort: &#8220;Olympia bei uns w\u00e4re klasse. Dann k\u00f6nnten wir allen zeigen, was Berlin f\u00fcr eine tolle Stadt ist, wir sind n\u00e4mlich die Besten.&#8221;<\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><strong><em>Merke:<\/em><\/strong><\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><strong><em>Wer tief stapelt, bleibt sitzen.<\/em><\/strong><\/div>\n<div style=\"text-align: center\">xxx<\/div>\n<div>Ein Berliner hat es in dieser Woche schon auf den Olymp geschafft. Jan Wagner bekam als erste Lyriker \u00fcberhaupt den Gro\u00dfen Preis bei der Leipziger Buchwoche. Er ist wohltuend bescheiden aufgetreten. Dankbar sei er, ganz toll dankbar. Und am besten lasse er jetzt seine Gedichte f\u00fcr sich sprechen.<\/div>\n<div>Zum Beispiel, der nahenden Jahreszeit Tribut zollend, ein paar Zeilen aus \u201eDas Weidenk\u00e4tzchen\u201c:<\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>warum sich tante mia wann genau<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>ein weidenk\u00e4tzchen in die nase steckte,<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>verschweigt die geschichte. sicher ist: es wich,<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>je mehr sie es zu fassen suchte, stetig<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>zur\u00fcck in seine dunkelheiten, weich<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>und wei\u00df, ein hermelin in seinem bau.<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>der punkt, an dem die dinge sich entfernen;<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>der augenblick, in dem wir ignoriert<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>und nur noch zeuge sind oder statist,<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>bis jener teppich ruiniert,<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>der fl\u00fcgel aus dem zehnten stock gest\u00fcrzt ist,<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><em>die ganze stadt ein flammendes inferno.<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><em><strong>Na bitte:<\/strong><\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><em><strong>Erster Preis.<\/strong><\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/div>\n<p style=\"text-align: center\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 14. m\u00e4rz 2015 Grau verwaschen der Himmel \u00fcber dem Ku\u2019damm. 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