{"id":871,"date":"2015-03-13T11:06:20","date_gmt":"2015-03-13T11:06:20","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=871"},"modified":"2015-03-13T11:06:20","modified_gmt":"2015-03-13T11:06:20","slug":"hoppla-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/hoppla-ich\/","title":{"rendered":"HOPPLA! ICH!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left\"><em><strong>berlin, 13. m\u00e4rz 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Hoppla, dann war er da! Blank- und blau\u00e4ugig, stramm, forsch, Eroberer-Lachen. Genau hundert Jahre ist es her, dass ein gewisser Hans Albers zum ersten Mal Geld daf\u00fcr bekam, sein Mann-Sein vor einer Kamera zu Markte zu tragen. Mit einer kleinen Rolle deb\u00fctierte er stumm in Franz Hofers &#8220;Jahreszeiten des Lebens&#8221;. Dann wurde es Jahrzehnte lang laut und tosend um den blonden Hans. Und jetzt ist wieder Stille eingekehrt. Dabei verdient dieser wilde Hund wirklich, dass man sich an ihn erinnert.<\/strong><\/p>\n<p>1915 macht Alber nicht nur seinen ersten Film. Er wird auch zur Armee eingezogen. Nach Milit\u00e4rdienst und schwerer Verwundung im Ersten Weltkrieg landet er am Residenz-Theater in Wiesbaden. Danach die Ochsentour durch die Provinz und auf verschiedenen Berliner B\u00fchnen. Hans Albers: laut, dr\u00f6hnend, kerlig. Auftritte in Revuen und Operetten, als Schauspieler, S\u00e4nger, T\u00e4nzer, Komiker und Artist.<br \/>\nIrgendwann dann: Hans Albers, scheinbar nicht mehr weg zu denken.<\/p>\n<figure id=\"attachment_880\" aria-describedby=\"caption-attachment-880\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-880 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/DSC_4581-300x244.jpg\" alt=\"DSC_4581\" width=\"300\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/DSC_4581-300x244.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/DSC_4581-600x489.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/DSC_4581.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-880\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcberflieger! Nicht abgehoben! Ein echter Knaller! FOTOS: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und jetzt erinnern sich immer weniger Menschen an diesen Megastar. Einer, der Albers noch kurz vor seinem Tod traf, sitzt in Berlin und grinst:<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Fernsicht! Da sa\u00dfen er, Gunnar M\u00f6ller, und Hans Albers am Ufer des Starnberger Sees und guckten ins Gebirge. Sie sahen diese imposante scheinbar endlose Kette von Gipfeln \u2013 und was fiel dem Albers ein?<\/p>\n<p>Er sagte: &#8220;Am sch\u00f6nsten isses doch in Blankenese.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_877\" aria-describedby=\"caption-attachment-877\" style=\"width: 192px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-877 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Barbara-Ellen-Volkmer-00229140-HighRes-192x300.jpg\" alt=\"Barbara-Ellen-Volkmer-00229140-HighRes\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Barbara-Ellen-Volkmer-00229140-HighRes-192x300.jpg 192w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Barbara-Ellen-Volkmer-00229140-HighRes-600x938.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Barbara-Ellen-Volkmer-00229140-HighRes.jpg 627w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-877\" class=\"wp-caption-text\">Zeitzeuge mit Durchblick: Gunnar M\u00f6ller.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gunnar M\u00f6ller, der als 31-J\u00e4hriger noch seine Karriere als Schauspieler vor sich hatte, besuchte den Kollegen im Jahr 1959. Da war Albers einer der gr\u00f6\u00dften deutschen Kinostars \u00fcberhaupt, hatte ein Jahr zuvor mit M\u00f6ller gedreht \u2013 und ein einzigartiges Leben neigte sich dem Ende zu.<\/p>\n<p>Albers wusste das. &#8220;Er stand mit beiden Beinen auf der Erde.&#8221;, sagt M\u00f6ller. &#8220;Er konnte beides \u2013 er war die Diva, die sich alles erlaubt. Und er war der Kumpel, der sich neben Dich an den Tresen stellte und F\u00fcnfe gerade sein lie\u00df.&#8221;<\/p>\n<p>Das Haus in Oberbayern besa\u00dfen Albers und seine Lebensgef\u00e4hrtin Hansi Burg seit den 30er Jahren. Das war alles sch\u00f6n und gut \u2013 und wenn den geb\u00fcrtigen Hamburger das Heimweh packte, wenn er &#8220;melankl\u00f6terisch\u201c wurde, verdr\u00fcckte er sich ins Bootshaus, schaltete das Tonbandger\u00e4t ein und lie\u00df eine Endlosschleife mit Hafenger\u00e4uschen laufen.<\/p>\n<p>Doch so richtig melankl\u00f6terisch war der blonde Hans dann auch wieder nicht. Dazu lebte er sein Motto viel zu gern. Und das hie\u00df nun mal: Hoppla, jetzt komm\u2019 ich!<\/p>\n<p>Albers hatte das Draufg\u00e4ngerische im Blut. Er liebte das Rampenlicht, er zeigte gern, was er konnte: Sportlich war er, rustikal-charmant, ehrgeizig und unbeirrt. Nachdem er in Berlin von B\u00fchne zu B\u00fchne getingelt war und in \u00fcber hundert Stummfilmen mitgewirkt hatte, kam Ende der 20er der Durchbruch. Die Theaterbesucher waren ganz wild auf die \u201eRampensau\u201c Albers, und f\u00fcr den Tonfilm war seine Stimme ein Geschenk. Auf einmal war er wer. &#8220;Erst war ich ein kleiner Piesepampel und eine Stimmungskanone in Revuen. Jetzt bin ich ein Menschendarsteller!&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_879\" aria-describedby=\"caption-attachment-879\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2630.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-879 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2630-300x208.jpg\" alt=\"IMG_2630\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2630-300x208.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2630-600x416.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2630.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-879\" class=\"wp-caption-text\">Kleine M\u00f6we, flieg&#8217; nach Helgoland!<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Megastar. Das ist er geblieben. Albers wurde zu einer Erfolgs-&#8220;Marke&#8221;. Er sackte unglaubliche 400000 Mark pro Film ein, er wickelte jedermann um den Finger. In Berlin war allezeit eine Suite im &#8220;Adlon&#8221; f\u00fcr ihn reserviert. Und er war so blendend im Gesch\u00e4ft, dass er den Nazis reihenweise K\u00f6rbe verpassen konnte, wenn sie ihm den Roten Teppich ausrollen wollten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war Hans Albers ein K\u00fcnstler. Aber keiner von der d\u00fcster-selbstzweiflerischen Art. Er liebte, was er tat, und er zeigte, wie sehr er das liebte. W\u00e4hrend des Kriegs war er von seiner geliebten Hansi (die nach England emigrieren musste) getrennt. Erst nach sieben Jahren fanden sie wieder zusammen. Eine harte Zeit.<\/p>\n<p>Doch die Menschen, sein Publikum, nahmen ihn immer als den echten Hans-im-Gl\u00fcck wahr. Dem durfte ruhig das Haar licht werden \u2013 dann erfand er sich eben als Hut-Held neu. Gunnar M\u00f6ller: &#8220;Er war eitel, er war stolz auf seine Ma\u00dfanz\u00fcge, er pflegte sich und hielt seinen K\u00f6rper durch t\u00e4gliches Schwimmen in Schuss. Aber er konnte auch \u00fcber sich lachen. Klar trug er ein Toupet \u2013 aber war das nicht zum Schie\u00dfen?&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_881\" aria-describedby=\"caption-attachment-881\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-881 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2635-1-300x225.jpg\" alt=\"IMG_2635-1\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2635-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2635-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2635-1-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2635-1.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-881\" class=\"wp-caption-text\">Wer kann dem Typ schon widerstehen?<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So sa\u00dfen sie also am Starnberger See, taten sich am &#8220;Talentwasser&#8221; (Wein, Bier, ein paar Klare \u2013 das Leben war zu kurz um schlechte Sachen zu s\u00fcffeln) g\u00fctlich. Sie redeten \u00fcber Rosen (Albers hatte in seinem Garten 60 Sorten), die Arbeit, die Frauen. Dann wurde ein Schluck getrunken, und sie redeten \u00fcber die Frauen und die Arbeit und lauter wichtige M\u00e4nnersachen.<\/p>\n<p>&#8220;Er war heiter und mit sich im Reinen.&#8221;, sagt M\u00f6ller. &#8220;Er wusste, dass er f\u00fcr sich vieles richtig gemacht hatte.&#8221;<\/p>\n<p>Ein knappes Jahr sp\u00e4ter bat Albers seinen Chauffeur Paul Schraml, ihn ganz langsam um den See zu fahren. Man f\u00fctterte Enten, und Albers lie\u00df oft halten, um sich umzusehen. Nach der Tour klopfte er seinem Fahrer auf die Schultern: \u201eDanke Paul, das war sch\u00f6n. Das war wohl meine letzte Ausfahrt.\u201c<\/p>\n<p>Albers starb am 24. Juli 1960. Er wurde in Hamburg auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt. So hatte er sich das gew\u00fcnscht. Und das hatte bei Albers so geklungen: &#8220;Heimat ist nicht, wo einer lebt. Heimat ist, wo einer stirbt.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_878\" aria-describedby=\"caption-attachment-878\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-878 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2626-300x231.jpg\" alt=\"IMG_2626\" width=\"300\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2626-300x231.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2626-600x462.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2626.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-878\" class=\"wp-caption-text\">Auch ein Kumpel f\u00fcr melankl\u00f6terische Stunden: der Mann mit der M\u00fctze.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor hundert Jahren also war sein erster gro\u00dfer Auftritt. Und heute?<\/p>\n<p>Heute ist er ein gewisser Albers, der vergessen wird?<\/p>\n<p>Sieht ganz so aus.<\/p>\n<p>Na und? w\u00fcrde der blanke Hans kr\u00e4hen. Und er w\u00fcrde sich eins singen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Bricht mir auch heut&#8217; das Herz entzwei.<br \/>\nIn hundert Jahren &#8211; Johnny &#8211;<br \/>\nist doch alles vorbei.<br \/>\nJohnny!!! &#8211; Johnny.<br \/>\nGoodbye Johnny, goodbye Johnny,<br \/>\nwarst mein bester Freund.<br \/>\nEines Tages &#8211; eines Tages &#8211;<br \/>\nmag&#8217;s im Himmel sein \u2013<br \/>\nmag&#8217;s beim Teufel sein &#8211;<br \/>\nsind wir wieder vereint.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 13. m\u00e4rz 2015 Hoppla, dann war er da! Blank- und blau\u00e4ugig, stramm, forsch, Eroberer-Lachen. Genau hundert Jahre ist es her, dass ein gewisser Hans Albers zum ersten Mal Geld daf\u00fcr bekam, sein Mann-Sein vor einer Kamera zu Markte zu tragen. 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