{"id":666,"date":"2015-02-24T10:46:59","date_gmt":"2015-02-24T10:46:59","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=666"},"modified":"2015-02-24T10:46:59","modified_gmt":"2015-02-24T10:46:59","slug":"auf-platte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/auf-platte\/","title":{"rendered":"AUF &#8220;PLATTE&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>m\u00fcnchen, 24. februar 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Um sieben Uhr abends steht die High-Tech-Uhr still, bei Sat.1 ist der Countdown abgelaufen. 0:00:00:00 Stunden! Jetzt geht es los. Die Zeit von &#8220;Newtopia&#8221; ist gekommen. Im Stakkato wird der Zuschauer auf das eingestimmt, was er auf keinen Fall verpassen darf: KEINE REGELN! KEIN KOMFORT! LET&#8217;S GO! DAS SCHAFFEN WIR! BESSERE GESELLSCHAFT! VOLLKOMMENES GL\u00dcCK? TOTALES CHAOS?<\/strong><\/p>\n<p>Wir werden es sehen. Wir werden es erleben. Nicht mehr zu Luft werden wir kommen, weil es so spannend und neu sein wird. Wir werden gucken, weil die von Sat.1 uns sagen, dass wir gucken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Neue \u00c4ra.<\/p>\n<p>&#8220;Newtopia&#8221;!!!<\/p>\n<figure id=\"attachment_674\" aria-describedby=\"caption-attachment-674\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-674 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_18284-300x200.jpg\" alt=\"IMG_18284\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_18284-300x200.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_18284-600x400.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/IMG_18284.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-674\" class=\"wp-caption-text\">15 Menschen auf der Suche nach dem Gl\u00fcck. Die Versuchspersonen von &#8220;Newtopia&#8221; stellen sich auf Sat.1.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Fernsehen packen 15 Menschen &#8211; gro\u00dfteils Problemf\u00e4lle der Gesellschaft, jeder auf seine Art &#8211; ihr \u00dcberlebensgep\u00e4ck aus, verabschieden sich weinend von ihren Liebsten und erkl\u00e4ren, warum sie tolle Typen sind.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen sitzt der, der es ins Fernsehen gepowert hat, vor dem Bildschirm und reibt sich die H\u00e4nde. TV-Pionier John de Mol hat mit &#8220;Newtopia&#8221; seinen n\u00e4chsten Coup gelandet. Der Holl\u00e4nder, der sich als sch\u00fcchternen Menschen beschreibt, wei\u00df: &#8220;Newtopia&#8221; wird klasse aus den Startbl\u00f6cken kommen. Dem Deutschlandfunk erkl\u00e4rt er:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>&#8220;Ich bin jemand, der gerne gegen die Regeln arbeitet. Weil, wenn man das macht &#8211; immer die Regel &#8211; macht man zuviel das Gleiche. Trotzdem glaube ich, dass die Grundstruktur von der Idee ,Newtopia&#8217; eine bestimmte Sicherheit gibt, dass es kein langweiliges Fernsehen wird. Weil, wenn die Leute, die 15 Pioniere, wie wir sie nennen, nichts machen, dann leben die nicht lange hier. Weil dann gibt es kein Essen, kein Wasser &#8211; \u00fcberhaupt nichts. Die m\u00fcssen etwas machen, um zu \u00fcberleben.&#8221;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>Um sieben Uhr abends kommen Ernst und Sabine wieder auf dem U-Bahn-L\u00fcftungsschacht am M\u00fcnchner Isarring zusammen. Sie haben ihre Wege in der Stadt abgeschlossen. Sabine hat beim Containern genug Lebensmittel f\u00fcrs Abendessen gehamstert. Ernst war mit dem Flaschenpfand dran &#8211; der Erl\u00f6s reicht locker f\u00fcr die Getr\u00e4nke einer fr\u00f6hlichen Nacht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_671\" aria-describedby=\"caption-attachment-671\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-671 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm11-300x225.jpg\" alt=\"arm1\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm11-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm11-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm11.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-671\" class=\"wp-caption-text\">Keine Utopie. Realit\u00e4t ist die Schlafstelle am M\u00fcnchner Isarring. Zwei Menschen \u00fcberleben dort, Nacht f\u00fcr Nacht.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sabine und Ernst checken, ob die Schlafs\u00e4cke und die Besitzt\u00fcmer unter den Plastikplanen komplett sind. Alles paletti. Sie setzen sich aufs Gitter und genie\u00dfen die warme Luft, die von unten kommt.<\/p>\n<p>&#8220;Saubl\u00f6der Regen&#8221;, sagt er. Sie nickt. Das braucht es doch wirklich nicht: So ein z\u00e4her Fiesel-Niesel-Nachmittag und -Abend. Aber man kann es nicht \u00e4ndern. Die beiden ziehen die Kapuzen in die Stirn und trinken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em><span class=\"Apple-style-span\">&#8220;Es gibt Leute, die sagen: Ach ja, wenn wir 100 Euro die Woche verdienen, reicht das zum Essen und Trinken &#8211; und lass uns weiter einfach gl\u00fccklich sein. Aber es gibt auch Leute, die sagen: Nein, wenn wir 100 Euro verdienen, m\u00fcssen wir die wieder investieren in etwas, damit wir n\u00e4chste Woche 200 Euro verdienen. Eigentlich wie in der echten Welt. Aber hier m\u00fcssen die sich irgendwie einigen, weil die k\u00f6nnen nicht weglaufen voneinander. In einem Land ist das einfacher. Also &#8211; die m\u00fcssen sich einigen.&#8221;<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>Sabine und Ernst haben vor Kurzem drei Mitbewohner von der Platte gejagt. Die haben sich einfach nicht an ungeschriebene Regeln halten wollen. Sind abends ohne Beute aus der Stadt zur\u00fcck gekommen &#8211; aber beim Saufen und beim Fressen waren sie die Ersten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_673\" aria-describedby=\"caption-attachment-673\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-673 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm41-300x154.jpg\" alt=\"arm4\" width=\"300\" height=\"154\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm41-300x154.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm41-600x308.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm41.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-673\" class=\"wp-caption-text\">M\u00fcnchen, ganz unten. Die Menschen, die hier landen, sind wirklich aus dem Verkehr gezogen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie haben sich auch am Gep\u00e4ck von Sabine und Ernst bedient. Obwohl die immer die Planen \u00fcber ihre Sachen decken, bevor sie los tippeln. Die Planen haben sie eigens bei einem Reifenh\u00e4ndler in Milbertshofen organisiert &#8211; die sind besonders haltbar, blick- und absolut wasserdicht. Eins-A-Folien sind das. Und die Anderen haben sie einfach runtergerissen und sich an den Sachen vom Ernst und der Sabine zu schaffen gemacht.<\/p>\n<p>&#8220;Da hab&#8217; ich sie naus gehaut&#8221;, erz\u00e4hlt der Ernst. Musste sein. Weil: Wenn sich einer hier auf &#8220;Platte&#8221; nicht zu wehren wei\u00df, dann geht er unter. Das hier drau\u00dfen ist echt kein Spa\u00df im nasskalten Februar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em><span class=\"Apple-style-span\">&#8220;<\/span>365 Tage haben die Zeit, um ihre Gesellschaft zu bauen und zu strukturieren. Aber wenn man die Bedeutung des Wortes Utopia wirklich checkt, dann ist das eine utopische, ideale Welt. Man kann die Frage stellen: Ist es \u00fcberhaupt jemals m\u00f6glich, das zu erreichen? Und wenn wir nach einem Jahr in Holland wirklich richtig geschaut haben, wo sind die jetzt und wir auch mit den Pionieren \u00fcberlegt haben, seid ihr zufrieden, habt ihr das Gef\u00fchl, wir haben es geschafft, dann haben alles gesagt: Nein, noch nicht. Also haben wir die Frage gestellt: Wenn wir weiter machen w\u00fcrden, w\u00fcrdet ihr mitmachen? Und dann haben alle au\u00dfer zwei gesagt: Ja, gern!&#8221;<\/em><\/p>\n<div style=\"text-align: center\">xxx<\/div>\n<div>Ja, sagt Ernst, man kann das alles nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig machen. Die Gesellschaft kann mit ihm nichts mehr anfangen, er ist auf diesem Luftschacht gelandet, nichts zu \u00e4ndern. Klar, oft denken die Sabine und er, es w\u00e4re schon super, abends in ein gemachtes Bett zu steigen, ein Dach \u00fcber dem Kopf zu haben, sich nicht mit dem Fiesel-Niesel-Regen herum schlagen\u00a0zu m\u00fcssen. Klar w\u00e4re es sch\u00f6n, nicht so arg zu stinken und noch alle Z\u00e4hne zu haben.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_676\" aria-describedby=\"caption-attachment-676\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-676 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm21-225x300.jpg\" alt=\"arm2\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm21-225x300.jpg 225w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm21-600x800.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm21.jpg 735w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-676\" class=\"wp-caption-text\">Der Rest eines Lebens.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Aber das sind halt so Tr\u00e4ume.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>V\u00f6llig utopisch.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Weil das, was sie in M\u00fcnchen erleben, die Realit\u00e4t ist. Daf\u00fcr gibt&#8217;s auch keine Quote.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_672\" aria-describedby=\"caption-attachment-672\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-672 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm31-300x225.jpg\" alt=\"arm3\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm31-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm31-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/arm31.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-672\" class=\"wp-caption-text\">Hinten pennen Ernst und Sabine, vorne d\u00fcrfen die Leut&#8217; an der Bushaltestelle tr\u00e4umen. Oder den Alb tr\u00e4umen. Wie es ihnen gef\u00e4llt.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>m\u00fcnchen, 24. februar 2015 Um sieben Uhr abends steht die High-Tech-Uhr still, bei Sat.1 ist der Countdown abgelaufen. 0:00:00:00 Stunden! Jetzt geht es los. Die Zeit von &#8220;Newtopia&#8221; ist gekommen. Im Stakkato wird der Zuschauer auf das eingestimmt, was er auf keinen Fall verpassen darf: KEINE REGELN! KEIN KOMFORT! LET&#8217;S GO! DAS SCHAFFEN WIR! BESSERE [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":675,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[225,224,226,227],"class_list":["post-666","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized","tag-de-mol-john","tag-munchen","tag-newtopia","tag-sat1","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=666"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":677,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666\/revisions\/677"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/675"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}