{"id":632,"date":"2015-02-21T12:02:15","date_gmt":"2015-02-21T12:02:15","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=632"},"modified":"2015-02-21T12:04:21","modified_gmt":"2015-02-21T12:04:21","slug":"wo-was-los-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wo-was-los-ist\/","title":{"rendered":"&#8220;WO WAS LOS IST&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>zempow, 21. februar 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Zempow liegt am Arsch der Welt. Auf der einen Seite ist Brandenburg, auf der anderen Mecklenburg. Eine Hundertschaft Menschen leben hier. Pferde, K\u00fche, Bio-Gem\u00fcse. Heide und Seenplatte. Achja, ein Kino auf der Wiese. Das betreiben die Neumanns. Und die k\u00e4mpfen um ihren Betrieb \u2013 auch wenn sie scheinbar keine Chance haben.<\/strong><\/p>\n<p>Als ob sie nicht schon genug Probleme h\u00e4tte!<\/p>\n<p>Nach langem \u00dcberlegen und unter gro\u00dfen Zweifeln haben die Neumanns ins Netz kommuniziert, dass sie ihr Autokino in Zempow auch in der n\u00e4chsten Saison betreiben w\u00fcrden \u2013 im M\u00e4rz geht es los.<\/p>\n<p>Dann haben sie sich den Kopf zerbrochen, wie sie denn mit diesen vermaledeiten Trittbrettfahrern vom &#8220;Kulturverein&#8221; umgehen sollten. Die haben n\u00e4mlich zu Spenden aufgerufen. Sie appellieren an die Freunde des Autokinos:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>F\u00f6rdermitglied werden &#8211; den Autokino Kulturverein unterst\u00fctzen: als Zweitakter, Dienstwagen oder Luxusklasse.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Klubmitglied Zweitakter: ein bis vier Euro\/Monat.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Klubmitglied Dienstwagen: zehn bis 24 Euro\/Monat.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Klubmitglied Luxusklasse: 25 Euro\/Monat).<\/em><\/p>\n<p>Die Neumanns waren baff. Jetzt haben sie schon all diese Probleme, mit denen sie sich seit Jahren herum schlagen. Und da treten Abzocker auf den Plan, die sie auch noch um den letzten F\u00f6rder-Euro bringen wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_640\" aria-describedby=\"caption-attachment-640\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-640 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6269-300x193.jpg\" alt=\"DSC_6269\" width=\"300\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6269-300x193.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6269-600x386.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6269.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-640\" class=\"wp-caption-text\">Wir halten durch &#8211; wir bleiben! Die Neum\u00e4nner in drei Generationen. FOTOS: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Familienrat. Diskussionen. Am Schluss ein Eintrag auf der Homepage:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Der Verein &#8220;Autokino Kulturverein Zempow e.V.&#8221; steht in keinem Zusammenhang mit dem &#8220;Autokino Zempow&#8221;. Spenden an den Verein kommen nicht uns zugute &#8211; Sie f\u00f6rdern hier nur Projekte dieses Vereins.<\/em><\/p>\n<p>Das geht doch nicht! Oder?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>Vater Claus \u00fcberl\u00e4sst sich seinen Gedanken. Er ist nicht der Typ, der jammert. &#8220;Bringt ja nischt. Wie es kommt, kommt es.&#8221;<\/p>\n<p>Claus Neumann hat immer hier gelebt. So richtig gut hat es nicht angefangen. 1943 kam Claus zur Welt, der Vater \u00fcberlebte den Krieg nicht, die Mutter starb, als Claus sieben war. Er kam zur Oma, sp\u00e4ter nahm ihn die Tante auf. Fr\u00fch schon hat er einem fahrenden Filmvorf\u00fchrer geholfen, Rollen geschleppt und so \u2018ne Sachen.<\/p>\n<p>Mit 16 war er soweit \u2013 er durfte selber die Filme einlegen. Er hat schnell den F\u00fchrerschein gemacht und ist im Job h\u00e4ngen geblieben. Neumann fuhr im Auftrag der Zentrale in Wittstock \u00fcber Land und machte Kino. Er baute seine zwei Apparate in Gastst\u00e4tten und Gemeindezentren, in Vereinsheimen und in Zelten auf. Staudte und Verhoeven, die liefen klasse, die Seghers-Schinken waren Rohrkrepierer. Und so.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_637\" aria-describedby=\"caption-attachment-637\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-637 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6359-300x191.jpg\" alt=\"DSC_6359\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6359-300x191.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6359-600x382.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6359.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-637\" class=\"wp-caption-text\">Kommen&#8217;Se, kucken&#8217;Se &#8211; uff da Wiese is noch Platz.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei einer Vorf\u00fchrung lernte er seine sp\u00e4tere Frau kennen. Er brachte dem Sohn den Umgang mit den laufenden Bildern auf Zelluloid bei. Als der Sohn nach der Schule das Metier von der Pike auf lernen wollte, hat Claus gemeint, das sei eine gute Entscheidung. &#8220;Film gucken, das wollen die Leute immer.&#8221;<\/p>\n<p>Der Sohn paukte sich im s\u00e4chsischen Langenau zum &#8220;Filmwiedergabetechniker&#8221; durch. Kam zur\u00fcck nach Zechlin und tourte mit dem Vater \u00fcber Land. Ab und zu ging man auf ein Bier ins benachbarte Zempow und guckte sich an, wie das Gesch\u00e4ft im Autokino so lief.<\/p>\n<p>&#8220;Das war eine Goldgrube. Vor allem die Urlauber von den Seen in der N\u00e4he waren ganz scharf auf Filme-Gucken in Zempow. Und die Einheimischen sind bis aus Neuruppin gekommen, wenn was Besonderes auf dem Programm stand.<\/p>\n<p>Ja, Zempow, war was Besonderes. Zur Er\u00f6ffnung sind die Herren Politiker bis aus Potsdam gekommen, und in den Zeitungen standen gro\u00dfe Storys \u00fcber das Kino auf der Wiese. Das war, warte mal, das muss \u201977 gewesen sein.&#8221;<\/p>\n<p>1977: \u00a0Reiner Kunze siedelt in die Bundesrepublik Deutschland \u00fcber. Weitere Schriftsteller und K\u00fcnstler folgen Rudolf Bahro wird nach der Ver\u00f6ffentlichung eines Auszugs aus seinem Buch &#8220;Die Alternative&#8221; im\u00a0 &#8220;Spiegel&#8221; verhaftet. Auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin und in Weimar kommt es zu Jugendkrawallen. Dabei sterben drei Menschen.<\/p>\n<p>1977: In den westdeutschen Kinos mausert sich die &#8220;Rocky Horror Picture Show&#8221; hinter &#8220;Bernhard und Bianca&#8221;, &#8220;James Bond \u2013 der Spion, der mich liebte&#8221;, &#8220;Zwei au\u00dfer Rand und Band&#8221;, &#8220;Steiner&#8221; und &#8220;Zwei irre Typen&#8221; zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres.<\/p>\n<p>Sicher, sie w\u00fcrden die Show und den Rest auch gerne vorf\u00fchren in Zempow \u2013 aber so weit sind sie noch nicht. Also zeigen sie die Neuheiten, die sie bekommen k\u00f6nnen, in diesem k\u00fchlen Sommer 1977: &#8220;Die Insel der Silberreiher&#8221; von Jires, Jaromil. &#8220;DEFA Disko&#8221; von Werner Wallroth. &#8220;Ein Katzensprung&#8221; von Claus Dobberke. &#8220;Ottokar, der Weltverbesserer&#8221; von Hans Kratzer. &#8220;Tambari&#8221; von Ulrich Wei\u00df\u00a0 &#8220;Unterwegs nach Atlantis&#8221; von Siegfried K\u00fchn. &#8220;Ein irrer Duft von frischem Heu&#8221; von Roland Oehme. &#8220;Ein Schneemann f\u00fcr Afrika&#8221; von Rolf Losansky.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_636\" aria-describedby=\"caption-attachment-636\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-636 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6373-300x194.jpg\" alt=\"DSC_6373\" width=\"300\" height=\"194\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6373-300x194.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6373-600x389.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6373.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-636\" class=\"wp-caption-text\">Alle war&#8217;n dabei, alle h\u00f6rten mit.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu werden nat\u00fcrlich die Evergreens ins Programm genommen: &#8220;Die Legende von Paul und Paula&#8221;, &#8220;Apachen\u201c oder &#8220;Die S\u00f6hne der gro\u00dfen B\u00e4rin&#8221;. Kassenf\u00fcller. Die guckt man sich gerne an \u2013 auch wenn man die Dialoge schon auswendig drauf hat<\/p>\n<p>Es regnet viel in diesem Sommer, im August ist \u00a0im Norden gar &#8220;Land unter&#8221;. Katastrophenalarm an der Oder, und rund um Zempow ers\u00e4uft der Mais.<\/p>\n<p>Aber das neue Kino ist jeden Abend bumsvoll. Gegen f\u00fcnf Uhr nachmittags kommen die Ersten, die noch freie Fahrt durchs Dorf haben. Dann werden es immer mehr. Sie tuckern aus Rheinsberg und aus Wittstock auf die Kreuzung in der Dorfmitte zu. Dort staut sich das Ganze, und schlie\u00dflich stehen sie bis zum Ortsschild. Schieben sich im Schritttempo durch die Hauptstra\u00dfe, biegen auf den kleinen Sandweg, der in diesem Sommer meist eine Matschpiste ist. An der Kasse l\u00f6sen sie die Tickets und ordnen sich ins Parksystem ein.<\/p>\n<p>Dicht an dicht stehen sie dann. Trabbi neben Wartburg, mancherorts ein Lada, selten gar ein Golf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>Zempow ist die neue Attraktion der Region. Ein Kino, mitten im Nirgendwo, da, wo Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg aneinander sto\u00dfen. Kino auf der Wiese. Bratwurst und Br\u00f6tchen, dreierlei Bier, Liebe und Hiebe auf der riesigen Leinwand. Vielleicht ein bisschen Knutschen. Das lassen sich die jungen Leute aus Rheinsberg und Gransee, die Touristen aus einer der ungez\u00e4hlten Feriensiedlungen in der Umgebung nicht nehmen. Da nehmen sie langm\u00fctig eine Schleichfahrt auf l\u00f6chrigen Stra\u00dfen und das Warten an der Kinokasse in Kauf.<\/p>\n<p>Hat man erst einmal den Platz auf der Wiese vor der Leinwand ergattert, f\u00fchlte man sich wie in einem guten Film.<\/p>\n<p>&#8220;Kino war ein gutes Gesch\u00e4ft \u2013 da haben die Herren von der Kontrolle auch schon mal ein Auge zugedr\u00fcckt, wenn wir das Programm mit dem Bleistift ein bisschen frisiert haben.&#8221;<\/p>\n<p>Eigentlich mussten die Vorf\u00fchrer eine Ost-West-Quote ber\u00fccksichtigen. Offiziell sahen h\u00f6chstens 40 Prozent der Besucher Filme vom Klassenfeind \u2013 &#8220;das war nat\u00fcrlich Quatsch. Mit dem DEFA-Zeug haste doch die Leute nicht nach Zempow gekriegt. Also haben wir nach \u2018ner mauen Ost-Vorstellung schon mal eine Null an die Zuschauerzahl geh\u00e4ngt, dann hat die Quote wieder gestimmt.&#8221;<\/p>\n<p>Da haben nicht mal die Typen von der Stasi gemeckert, die in Zempow einen Stammplatz hatten. Mussten schlie\u00dflich horchen und gucken, ob sich da nicht ein Westler und ein Einheimischer widergesetzlich im Kino auf der Wiese trafen.<\/p>\n<p>Aber, alles in allem, haben sie es friedlich gehabt vor der Wende. Nach dem Zusammenbruch der DDR hielt die Gemeinde den Betrieb noch aufrecht. Bis jemand die Neumanns fragte, ob sie denn nicht \u00fcbernehmen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Klar wollten sie. Mike und Claus richteten es sich im Autokino ein und hatten zehn prima Jahre. Es war, als st\u00fcnde die Zeit still. Die Urlauber und das Stammpublikum waren da, immer wieder staute sich der Verkehr bis zum Ortsschild. Dann sah man bei trockenem Wetter schon von Weitem vom Treck eine gro\u00dfe Staubfahne.<\/p>\n<p>Die Familie Neumann mit ihrem Kintopp war ein Teil im 120-Einwohner-Ort Zempow. Die Neumanns brachten das Lachen, sie brachten Hollywood. Es wurde Abend im Land \u2013 und dr\u00fcben, auf der Wiese ging der Ton an. Eddie Murphy oder Walter Matthau \u2013 die Menschen in ihren Autos lachten sich fleckig, und im Dorf wurden sie geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Nach dem Abspann lie\u00dfen die Leute die Motoren an \u2013 &#8220;und dann haste gesehen, dass etwas anders war. Fr\u00fcher hat man nach dem Ende eine gro\u00dfe blaue Wolke gesehen, das waren die Zweitakter, die gestartet wurden. Nach der Wende gab es irgendwann keinen blauen Rauch mehr, nur noch Golfs und Opels und so.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>Die Neumanns haben Ende der neunziger\u00a0 noch nicht geahnt, dass es f\u00fcr ihr Kino schwer werden w\u00fcrde mit dem Happy End. &#8220;Als wir merkten, dass es nicht mehr rund l\u00e4uft, ist es gleich richtig kn\u00fcppeldick gekommen&#8221;, sagt Mike.<\/p>\n<p>Er ist ein robuster Mann. Braun gebrannt. Kennt sich mit jedem Projektor aus, kann alles reparieren, h\u00e4lt die Anlage tipptopp in Schuss. Aber gegen das, womit sich die Neumanns seit Jahren herum schlagen, da hat er auch kein Rezept gefunden.<\/p>\n<p>Zuerst ist die Sommerzeit eingef\u00fchrt worden, da kamen dann sp\u00fcrbar weniger Besucher.<\/p>\n<p>Dann blieben die aus, die sich lieber im Internet herum treiben als auf den Weg nach Zempow machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_638\" aria-describedby=\"caption-attachment-638\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-638 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6297-300x199.jpg\" alt=\"DSC_6297\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6297-300x199.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6297-600x397.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/DSC_6297.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-638\" class=\"wp-caption-text\">Im Reich der Filme. Mike Neumann.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann stellten die Verleiher die Produktion von Zelluloid-Filmen ein. Nun k\u00f6nnen die Neumanns die neuesten Filme nicht mehr zeigen \u2013 dazu m\u00fcssten sie die Technik umstellen. Heute werden keine Rollen mehr eingelegt, sondern der Film kommt vom Stick.<\/p>\n<p>Ein Umr\u00fcsten kostet ungef\u00e4hr 40000 Euro. &#8220;Das haben wir nicht.&#8221;\u00a0 Mike Neumann blickt \u00fcber die braune Wiese. &#8220;Noch kommen wir gerade so \u00fcber die Runden. Was dann wird?&#8221; Er zuckt mit den Schultern und versucht ein L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>\u201eSieh mal\u201c, sagt er. &#8220;H\u00f6r hin, riech es. Kino riecht toll. Nach Zelluloid. Das ist mein Leben, dieser Geruch.&#8221;<\/p>\n<p>Fr\u00fcher gab es Bratwurst im Br\u00f6tchen, heute zaubert Frau Neumann die besten Pommes von hier bis Berlin. Das hatte man fr\u00fcher nicht, aber vom heimischen Bier gab es schon damals drei unterschiedliche Sorten.<\/p>\n<p>Alles wie damals, irgendwie, hier in Zempow, exaktemang an der Grenze zwischen Vorpommern und Brandenburg. Die Menschen fahren vor, l\u00f6sen die Tickets, und wechseln die Welt.<\/p>\n<p>Wenn es d\u00e4mmert, so gegen halb zehn, gehen an der Frittenbude die Lichter aus und vorn auf der fassadengro\u00dfen Leinwand wird es hell. In den Autos rutschen die Menschen zusammen und vergessen f\u00fcr zwei Stunden die Welt um sich. Im Vorf\u00fchrraum wechselt Mike die Rollen, ohne dass es die Zuschauer merken.<\/p>\n<p>Liebes-Schmonzetten, die man ja spielen muss, mag er nicht so doll. Daf\u00fcr aber die Thriller und die Filme, &#8220;wo was los ist&#8221;.<\/p>\n<p>Mike Neumann blickt \u00fcbers D\u00f6rr-Gras des wohl sch\u00f6nsten Autokinos der Republik und sagt: &#8220;Klar, wir haben auch ,Rocky\u2018 gespielt.&#8221;<\/p>\n<p>Hat er &#8220;Rocky&#8221; gemocht?<\/p>\n<p>Na, sicher. Der Typ ist nach Niederschl\u00e4gen immer wieder aufgestanden.<\/p>\n<p>Mike Neumann, der Filme-Mann, l\u00e4chelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zempow, 21. februar 2015 Zempow liegt am Arsch der Welt. Auf der einen Seite ist Brandenburg, auf der anderen Mecklenburg. Eine Hundertschaft Menschen leben hier. Pferde, K\u00fche, Bio-Gem\u00fcse. Heide und Seenplatte. Achja, ein Kino auf der Wiese. Das betreiben die Neumanns. Und die k\u00e4mpfen um ihren Betrieb \u2013 auch wenn sie scheinbar keine Chance haben. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":639,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[214,216,215,213],"class_list":["post-632","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized","tag-autokino","tag-kino","tag-neumann-claus","tag-zempow","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=632"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/632\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":642,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/632\/revisions\/642"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}