{"id":5682,"date":"2026-09-04T14:02:24","date_gmt":"2026-09-04T14:02:24","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5682"},"modified":"2026-09-04T14:02:24","modified_gmt":"2026-09-04T14:02:24","slug":"wut-wild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wut-wild\/","title":{"rendered":"WUT-WILD"},"content":{"rendered":"<p><strong>scheisszeitenwende 144<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Hildchen V<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pit. Betrunken. Verlebt. Zornberstend. Streit suchend.<\/p>\n<p>\u201eSachma, haste Tomaten uffe Ohrn? Ick hab jefragt, wat et zun Essn jibt. Un nich, wo de Zeitung is.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchon gut, es gibt Buletten und\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eViel f\u00e4llt Dir aber auch nicht ein.\u201c Pit redete nun sehr leise und zwang sich zum Hochdeutschen. \u201eSoweit ich mich erinnern kann, hatten wir erst letzte Woche Buletten, in der Woche davor und in der Woche davor auch. W\u00fcrde es Dir etwas ausmachen, ab und zu das Kochbuch zu konsultieren, vielleicht bringt Dich das auf neue Ideen. Das ist wohl das Mindeste, was ich nach einem langen Arbeitstag erwarten darf. Hat Madame das begriffen, habe ich mich verst\u00e4ndlich ausgedr\u00fcckt?\u201c<\/p>\n<p>Hilde K\u00fcneke hob zwei Fleischb\u00e4lle auf den Teller, wollte Kartoffelbrei dazu tun.<\/p>\n<p>\u201eTschuldjung, ick hab Dir wat jefracht.\u201c<\/p>\n<p>Sie klatschte schweigend den Brei neben die Buletten.<\/p>\n<p>\u201eSo ist das also: Man redet nicht mehr mit mir. Ist das so?\u201c<\/p>\n<p>Sie trug den Teller zum Tisch. Pit sah, wie seine wortlose Frau auf ihn zu kam. Er st\u00fctzte sich vom Stuhl hoch, stand nun da, gro\u00df und m\u00e4chtig und voller Wut.<\/p>\n<p>Sie wollte den Teller abstellen. Da schlug er zu. Das Geschirr fiel zu Boden, das P\u00fcree verteilte sich, die Buletten kollerten unter den Tisch. Hildes Wange r\u00f6tete sich sofort. Erstaunt blickte die Frau ihren Mann an. Erstaunt schaute er zur\u00fcck. Er \u00fcberlegte. Wieder flutete die Wut in ihm hoch.<\/p>\n<p>Noch einmal schlug er zu. Diesmal fester.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Bann war gebrochen. Nur zu!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hilde K\u00fcneke ertrug ihren Mann gegen alle Vernunft. Sie nahm hin, dass er sie verm\u00f6belte, erniedrigte, beschiss. Entweder stank er nach Fusel \u2013 oder nach fremder Frau. Er hatte keine Hemmungen mehr. Kam und ging, wann er wollte. Riss die frisch gewaschene W\u00e4sche aus dem Schrank, fra\u00df den K\u00fchlschrank leer und war wieder weg.<\/p>\n<p>Anfangs weinte sie sich die Augen aus dem Kopf. Dann hatte sie keine Tr\u00e4nen mehr, nur noch Angst, wenn der Schl\u00fcssel sich im Schloss drehte. Hilde K\u00fcneke versuchte, ihr Leben an Pit vorbei zu f\u00fchren. Er bekam das mit und bestrafte sie f\u00fcr jede Eigenm\u00e4chtigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 144 Hildchen V &nbsp; Pit. Betrunken. Verlebt. Zornberstend. Streit suchend. \u201eSachma, haste Tomaten uffe Ohrn? Ick hab jefragt, wat et zun Essn jibt. 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