{"id":5460,"date":"2025-11-14T16:49:36","date_gmt":"2025-11-14T16:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5460"},"modified":"2025-11-14T20:42:47","modified_gmt":"2025-11-14T20:42:47","slug":"migonney","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/migonney\/","title":{"rendered":"MIGONNEY"},"content":{"rendered":"<p><em>scheisszeitenwende 112<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er lernte das Malen, so gut er konnte. Er brachte die Farben Mauretaniens nach Paris. Er war nah am Erfolg.<\/p>\n<p>Er wollte und wollte und wollte.<\/p>\n<p>Er wollte so sehr, dass es ihn krank und m\u00fcrbe und verzweifelt machte.<\/p>\n<p>Am 5. Juli 1925 schrieb der Maler Jules Migonney seinen letzten Satz \u2013 er war 49 und hatte allealle Kr\u00e4fte aufgebraucht.<\/p>\n<p>Der Satz war:<\/p>\n<p>\u201eJ&#8217;ai tout sacrifi\u00e9 \u00e0 l&#8217;art, il me tue.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe alles der Kunst geopfert, sie hat mich get\u00f6tet.\u201c<\/p>\n<p>Dann brachte sich Migonney um.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1917 begegneten Jeanne H\u00e9buterne und Amedeo Modigliani sich in Montparnasse. Sie war eine 19-j\u00e4hrige Sch\u00f6nheit mit dichtem, rotbraunem Haar, sie wollte aus ihrer b\u00fcrgerlichen katholischen Familie ausbrechen und Malerin werden. Amedeo war ein Genie, 32 und v\u00f6llig mittellos. Seine ehemalige Geliebte beschrieb ihn so: \u201eEin komplizierter Charakter. Ein Schwein und eine Perle. Traf ihn 1914 in einer Konditorei. Er sah h\u00e4\u00dflich, wild und gierig aus.\u201c<\/p>\n<p>Jeanne und Amedeo hatten keine Heizung, kaum zu essen, sie besoffen sich mit Fusel.<\/p>\n<p>Sie waren Outlaws.<\/p>\n<p>Eine Tochter. Flucht vor den Deutschen nach Nizza, R\u00fcckkehr nach Paris. Streit. Kunst. Saufen. Vers\u00f6hnung. Amedeos Erfolg.<\/p>\n<p>Er wurde krank und starb &#8211; gezeichnet von Alkohol, Rauschgift und seiner Tuberkulose &#8211; am 24. Januar mit 35 Jahren. Jeanne H\u00e9buterne kehrte am Tag der Beerdigung ins Elternhaus zur\u00fcck, die Eltern hatten die Beziehung immer missbilligt. Einen Tag nach dem Tod ihres Geliebten, in der Nacht vom 25. auf den 26. Januar 1920 st\u00fcrzte sie sich, 21 Jahre alt und mit dem zweiten Kind im achten Monat schwanger, aus dem f\u00fcnften Stock des Hauses und war tot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lucien Jusseaume kam am 13. Januar 1861 in Paris zur Welt. Er war so sehr talentiert!<\/p>\n<p>Studium an der <em>\u00c9cole des beaux-arts<\/em>. Jusseaume wurde ein begehrter Portr\u00e4tmaler, er war eine Gr\u00f6\u00dfe in Paris.<\/p>\n<p>Impressionist. Realist. Landschaftsmaler. Meister von Licht und Schatten. Mitglied der <em>Soci\u00e9t\u00e9 des Artistes Fran\u00e7ais,<\/em> einer der wichtigsten K\u00fcnstlervereinigungen in Frankreich. Internationale Ausstellungen.<\/p>\n<p>Mit 64 hatte er die Kunst und Paris und das Leben satt. Selbstmord am 12. M\u00e4rz 1925 in der 17 <em>rue Vicq-d\u2019Azir. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Yves, der H\u00e4ndler, schiebt die Manuskriptseiten zusammen. Er trinkt, f\u00fcllt nach, trinkt wieder und sieht seine Besucher an.<\/p>\n<p>\u201eIst das gut?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 112 &nbsp; Er lernte das Malen, so gut er konnte. Er brachte die Farben Mauretaniens nach Paris. Er war nah am Erfolg. Er wollte und wollte und wollte. Er wollte so sehr, dass es ihn krank und m\u00fcrbe und verzweifelt machte. Am 5. 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