{"id":5424,"date":"2025-11-01T16:26:44","date_gmt":"2025-11-01T16:26:44","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5424"},"modified":"2025-11-01T16:26:44","modified_gmt":"2025-11-01T16:26:44","slug":"chur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/chur\/","title":{"rendered":"CHUR"},"content":{"rendered":"<p><em>scheisszeitenwende 102<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bitte setzen!<\/p>\n<p>Klara und Hans r\u00fccken sich auf ihren St\u00fchlen zurecht. Yves lehnt sich in seinem Chefsessel zur\u00fcck, schiebt die Brille zur Nasenwurzel. Er seiht l\u00e4ssig aus, ein routinierter alter Erz\u00e4hler.<\/p>\n<p>Yves beginnt zu lesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Andreas Walser<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Querstra\u00dfen von der <em>Campagne-Premi\u00e8re<\/em> entfernt an der Kreuzung des <em>Boulevard Raspail<\/em> und der <em>Rue Boissonade<\/em> stand \u2013 es ist wohl im Fr\u00fchjahr 1929 gewesen \u2013 ein junger K\u00fcnstler sich die Beine in den Bauch und passte den gro\u00dfen Picasso ab. Beim ersten Mal bekam er kein Wort heraus, als \u2013 nach vier Lauer-Stunden &#8211; der \u201eMeister\u201c auf seinem Heimweg von einer Tour durch die Gastronomie an ihm vorbei ging. Am n\u00e4chsten Morgen traute sich dann der junge K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Doch von Anfang an:<\/p>\n<p>Andreas Walser, Jahrgang 1908, war 15, als sein Bruder in Arosa an der Schwindsucht starb. Das hat ihn aus der Bahn geworfen. Seine Eltern \u2013 liebend und ratlos \u2013 konnten dem \u00fcberbegabten Sohn nicht beistehen. Ihm war selbst dann nicht zu helfen, wenn man mit beiden Beinen im Leben stand wie der Vater, der Pfarrer in Chur.<\/p>\n<p>Chur: die Stadt aus R\u00f6merzeiten.<\/p>\n<p>In Chur hatte ein Talent wie Andreas nichts zu suchen. Auch der gro\u00dfe Augusto Giacometti, dieser ber\u00fchmte Maler, redete den Eltern ins Gewissen. Sie sollten den Sohn loslassen. Er w\u00fcrde eine gro\u00dfe Zukunft haben. Er m\u00fcsse nach Paris.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit 20 bezog er Quartier in Montparnasse. Andreas hatte sein Atelier in der <em>Rue Bardinet<\/em>. H\u00e4tte er einen Spiegel gehabt \u2013 er h\u00e4tte sich ins Gesicht schauen k\u00f6nnen und gesehen, wie da ein junger Manesch einen langen Tod stirbt. Es war ein junges Gesicht, in dem sich eine trostlose Tristesse eingrub. Walser wurde von den D\u00e4monen heimgesucht und er hatte keine Chance.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 102 &nbsp; Bitte setzen! Klara und Hans r\u00fccken sich auf ihren St\u00fchlen zurecht. Yves lehnt sich in seinem Chefsessel zur\u00fcck, schiebt die Brille zur Nasenwurzel. Er seiht l\u00e4ssig aus, ein routinierter alter Erz\u00e4hler. Yves beginnt zu lesen. &nbsp; Andreas Walser Zwei Querstra\u00dfen von der Campagne-Premi\u00e8re entfernt an der Kreuzung des Boulevard Raspail und der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":5425,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[932],"tags":[],"class_list":["post-5424","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-scheiss-zeitenwende","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5424","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5424"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5424\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5426,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5424\/revisions\/5426"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5425"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5424"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}